Bauarbeiten am Wasserschloss Neuenheerse zum Tag des Denkmals beendet – 650 Brote für Restaurierung nicht mehr genug

12. September 2003
Westfalen-Blatt

Neuenheerse (WB). Nach 400 Jahren erstrahlt das Schloss in Neuenheerse nach erfolgreicher Außenrestaurierung zum Tag des Denkmals am kommenden Sonntag, 14. September, im neuen Glanz. Das Museum ist an diesem Tag nicht geöffnet.

Das hochadelige kaiserliche weltliche Damenstift bestand bereits 731 Jahre, als durch die damals neue Äbtissin Ottilia von Fürstenberg (1589-1621) das Wohnhaus, die Abtei an der südwestlichen Seite der Stiftskirche, in den Jahren 1599 bis 1603 neu aufgebaut wurde. Mit einem für hiesige Verhältnisse großen Personal- und Sachaufwand wurde ein Gebäude, von einem Wassergraben umgeben, eingerichtet, das dem Stand und der Würde einer Äbtissin entsprach. Eine alte Rechnung verweist darauf, dass für die Baugrube und spätere Gräfte ein Personalaufwand von 650 Arbeitstagen erforderlich waren, die mit 650 Broten bezahlt wurden.

Für „nur 650 Brote” konnte der heutige Eigentümer des Schlosses, Honorargeneralkonsul Manfred O. Schröder und seine Frau Helga Schröder die grundlegende Außenrestaurierung des gesamten Gebäudes nicht erbringen. Es war ein sehr großer ideeller und finanzieller Aufwand erforderlich, die teilweise durchgefaulten Dachbalken aus dem Mauerverbund zu entfernen und durch neue Balken zu ersetzen.

In Absprache und Planung mit den verschiedenen Behörden, der Unteren Wasserbehörde des Kreises Höxter und den Fachvertretern der Denkmalbehörde der Stadt Bad Driburg musste bereits im Frühjahr dieses Jahres die Gräfte vom alten Schlamm befreit werden. Um den Baugerüsten sicheren Halt zu geben, wurden 16 Lastwagenladungen mit Schotter in die Gräfte gefüllt.

Planmäßig mussten sämtliche Eichenbalken des Fachwerkes rund um das Schloss von der alten Farbe befreit werden. Teilweise lagen hier bis zu sieben Schichten aufeinander. Anschließend wurden die Balken mit einem mehrschichtigen Leinölauftrag farblich neu gefasst. In sämtlichen Gefachen musste der lose Putz bis auf den tragenden Untergrund entfernt und ein neuer aufgebracht werden, da der vorhandene Putz nicht mehr tragfähig war.

In Harmonisierung und Anpassung an den einheimischen westfälischen Sandstein wurden die Gefache mit einem warmen hellen Gelb versehen. Am Dach wurden vollständig neue kupferne Wasserrinnen mit größeren Dimensionen und Fallrohren montiert. Ferner wude der Dachrand mit stabilen Schneefanggittern mit Kupferhaken für die kommenden Winter gesichert. Alle Dachgauben und Holzfensterbänke wurden ebenfalls mit kupfernem Fensterblech vor zukünftiger Verrottung gesichert.

Als eine besondere Herausforderung an alle beteiligten Gewerke erwies sich die Westseite des Schlosses.
Dort präsentierten sich nach Entfernen der verdeckenden Farbschicht durchweg alle Eichenbalken des Fachwerksals verfault und vom Schwamm befallen. Eine Sanierung der Balken war nicht mehr möglich, hier half nur noch der vollständige Austausch. Aus statischen und denkmalpflegerischen Gründen durfte kein frisches oder normal abgelagertes Eichenholz verwendet werden. Gesucht werden mussten sehr alte Eichenbalken in entsprechender Dimension.Dies erwies sich als ausgesprochen schwierig. Durch viele Kontakte und etwas Glück konnte Honorargeneralkonsul Manfred O. Schröder das Holz einer 300-jährigen Scheune
aus Oelde sichern, das von einer Zimmerei fachgerecht vorbereitet wurde.

Beim Entfernen der ruinösen Eichenbalken war ein Schwerlastkran erforderlich, der das alte und neue Holzmaterial über die Gräfte heben konnte.

An der freigelegten Westseite fand man noch viele Spuren des großen Schlossbrandes vom September 1921.

Manfred O. Schröder:

An dieser Großbaustelle konnten durchwegs einheimische Firmen mit ihren
Fachkräften beschäftigt werden, was für die Qualität des hiesigen Handwerks spricht.