Bestand von Schloss und Museen sicher- Ehepaar Schröder erklärt die Sanierung nach 20 Jahren offiziell für abgeschlossen

18. September 2008
Westfalen-Blatt Nr. 219
Bad Driburg Brakel
Michael Robrecht

„Wir haben es geschafft!“ Helga und Manfred Schröder begutachten mit großer Freude das vollständig renoviert Schloss Neuenheerse. Viele Millionen Euro haben der Honorargeneralkonsul von Ghana und seine Gattin in das 400 Jahre alte frühere hochadelige Damenstift investiert. Das Ehepaar hat die Sanierungsarbeiten
nach 20 Jahren jetzt offiziell für abgeschlossen erklärt. Eine großzügige Kulturstiftung sichert den Bestand von Schloss und Museen für die kommenden Jahrzehnte, betont das Ehepaar Schröder beim Jahresgespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Die Stiftung Schröder hat das Kleinod der Öffentlichkeit und den Bürgern von Neuenheerse faktisch geschenkt. Diese können nun sagen: „Es ist unser Schloss, das uns Bürgern zur Verfügung steht“. Drei bis vier Gruppen sehen sich täglich Tausende von Gegenständen aus aller Welt an; vier Museumsführer sind im Einsatz. Schüler, Banker, Krankenhausmitarbeiter oder Kirchenvertreter; Die Besucher ist so bunt wie die Museen. Es gibt Kindergeburtstage im Schloss, und Ex-NRW-Justiz-
minister Rolf Krumsiek feiert sein Wiegenfest im alten Stift, berichten die Schröders. Auch Trauungen in der alten Kapelle sind gefragt. Und wer denkt, Deutschlands dienstältester Generalkonsul und seiner Frau seien die Ideen ausgegangen, der irrt: „ Wir planen zur Zeit eine Gemäldegalerie für Werke aus dem
19. Jahrhundert“ sagt Manfred Schröder. Unermüdlich sind die beiden unterwegs, um für ihre einzigartigen Sammlungen zu werben und die Menschen nach Neuenheerse einzuladen.
15 000 Prospekte werden pro Jahr unters Volk gebracht. Und wenn die ehemalige Schlosseigentümerin Margot von Zitzewitz oder die Neuenheerser Patres zu Besuch kommen, dann staunen sie, was aus ihrem ehemaligen Anwesen Großartiges geworden ist. Das 1989 von den Missionaren vom Kostbaren Blut an das Ehepaar verkaufte
Wasserschloss Heerse mit Nebengebäuden befand sich vor 20 Jahren in einem desolaten Zustand. Teile des Schlosses waren baufällig. Zur Wiederherstellung war es erforderlich, umfangreiche Baumaßnahmen vorzunehmen, wie diese Zeitung immer wieder berichtet hat. 2003 wurde zum Abschluss eine Gesamtaußenrenovierung des Wasserschlosses Heerse vorgenommen.
Der gesamte Außenputz musste abgeschlagen werden. Das Dach mit den roten Sandsteinschieferplatten erhielt eine Generalüberholung. Sämtliche der 570 kleinen Fenster wurden überholt, fehlende oder gesprungene Scheiben ersetzt. Im Innern des Schlosses sind neue Heizungen verlegt worden; größere Räume für die Museen sind geschaffen worden. Die Zahl der Exponate hat die 20 000er Marke übersprungen. Die über die Gräfte führende, aus rotem Sandstein bestehende Brücke mit Brüstung musste generalüberholt werden. Desgleichen wurde die im Süden befindliche Terrasse mit den zwei Freitreppen und dem Freisitz mit den Brüstungen durch neue Plattierung und neue Isolierung mit Schweißbahnen generalüberholt. Die Gräfte-Mauern mussten an vielen Stellen neu errichtet werden. Ein Seminarraum wurde mit uralten, aus einem Dortmunder Bauernhaus stammenden Eichenbalken wohngerecht verkleidet, dekoriert und mit Original-Tischen und Stühlen aus dem Hofbräuhaus in München eingerichtet.

Eine mechanische Werkstatt wurde eingerichtet, desgleichen eine Schreinerei mit allen notwendigen Maschinen. Das Torhaus erhielt ebenfalls eine neue Heizung und eine Hausmeisterwohnung

so Manfred Schröder.
Die ehemalige Aula des Internats St. Kaspar im Dachgeschoss des Torhauses wurde auf 300 Quadratmetern zu einem Museumsraum mit 500 afrikanischen Schnitzereien und Skulpturen versehen. Hier ist auch ein Teil der Exponate untergebracht, die an die ehemalige kaiserliche Kolonialzeit erinnern. „Eine im nordischen Stil
ausgerichtete Kapelle zu Ehren des Hl. Hubertus haben wir 1999 errichtet, auch das gehört zum Gesamtprojekt Neuenheerse“, sagt Konsul Schröder. Vor der Kapelle steht ein Glockenturm.

Das Torhaus erhielt in zwei Phasen Anbauten durch ein für die Museen notwendiges Büro und 2005 durch die Hubertushalle in einer Größe von 300 Quadratmetern. Sowohl der nördliche als auch der südliche Hof wurden mit Kleinpflaster aus Granit aus der Türkei versehen. In einer erheblichen Größe erhielt auch der
nördliche Innenhof eine Basaltpflasterung von einer in Lippstadt aufgenommenen 200 Jahre alten Dorfstraße.
Das Ehepaar Schröder hofft auf viele neue Besucher, besonders, dass viele Schüler den Weg ins Schloss finden.