Das Fabelwesen befreit von Giften. Ein einzigartiges Schnitzkunstwerk hängt in der Hubertushalle des Wasserschlosses Heerse.

20. April 2009
Westfalen-Blatt Nr. 88
Bad Driburg Brakel
Wolfgang Braun

In der Hubertushalle des Wasserschlosses Neuenheerse ist auf der Stirnseite ein Schnitzwerk installiert worden, in den Ausmaßen 3,50 m x 2,50 m.
Dieses – wie ein Gemälde aussehendes, aus 6 Tafeln zusammengesetztes Schnitzwerk – , konnten das Stifterehepaar Manfred und Helga Schröder durch einen glücklichen Zufall in Manila/Philippinen nach harten Kämpfen erwerben.

Das Stifterehepaar ist besonders stolz darauf, dass es ihnen gelungen ist, dieses europäische Kulturgut, das aus den Niederlanden stammt und auch dort geschnitzt worden ist, von Asien wieder nach Europa bringen zu können. Es hat in der Hubertushalle des Wasserschlosses eine gute Bleibe gefunden. Wegen der enormen Größe und des Gewichts von 400 kg kann es nicht von Privatleuten stammen. Man vermutet, dass dieses Werk aus dem Palast des ehemaligen Präsidenten Marcos kommt.

Schnitzwerk Hubertushalle 3,50 m x 2,50 m

Schnitzwerk Hubertushalle 3,50 m x 2,50 m

Die Schnitzerei ist nicht nur auf der Vorderseite bildlich dargestellt sondern ebenfalls auf der Rückseite, die aber wegen der Aufhängungen nicht sichtbar ist. Rechts neben dem Werk sind aber eingerahmte Fotos von der Rückseite der Schnitzerei vorhanden.

Es gibt 7 berühmte Teppiche über die Fabelgestalt des „Einhorns“. Diese hat Rockefeller dem Metropolitan Museum of Art in New York geschenkt. Eine bunt bebilderte Darstellung der Teppiche ist beschrieben in dem Buch „The Unicorn Tapestries“ von Margaret B. Freeman erschienen im Verlag E.P. Dutton Inc. New York.

Das in der Hubertushalle ausgestellte Stück stellt eine Einmaligkeit dar. Bisher ist und war Kennern der Materie und Wissenschaftlern eine solche Schnitzerei unbekannt. Selbst Franziskanerpater Dr. Werinhard Einhorn – Spezialist für Dinge die mit dem „Einhorn“ zu tun haben – , kannte diese Schnitzerei nicht. Pater Werinhard hat seine Promotionsarbeit über das „Einhorn“ geschrieben.

Die von HGK Schröder veranlasste Holzprobe bei einem renommierten Mailänder Institut hat ergeben, dass es sich bei dem Holz um Eiche handelt und die Altersbestimmung bestätigt, dass es sich um Holz aus den Jahren 1480 – 1520 handelt.

In jedem Fall ist es ein Schnitzwerk, das zu Ehren der Hochzeit von Anne of Brittany mit Louis XII. gefertigt wurde. Die Heirat fand am 8. Januar 1499 statt. Anne of Brittany war zweimal Königin von Frankreich und zwar von 1491 – 1498 und von 1499 – 1514.

Entweder war das in der Hubertushalle befindliche Schnitzwerk eine Vorlage für einen der 7 Teppiche oder aber es ist ein Werk, das einen der 7 Teppiche wiedergibt. Auch die Schnitzerei auf der Rückseite der Holztafel im Wasserschloss zeigt einen Ausschnitt aus einem der anderen 7 Teppiche.

Das Einhorn steht im Mittelpunkt des Schnitzwerks. Mit seinem Horn entgiftet es das Wasser und die Tiere, die auf dem Werk vorhanden sind wie; Hirsch, Löwenpaar, Fasanen, Kaninchen, Hyäne, Fuchs, Leopard etc. warten darauf, dass das Wasser durch das Einhorn entgiftet wird.

In früheren Jahrhunderten pflegten viele Könige aus Hornbechern zu trinken, da dem Horn das Entgiften nachgesagt wurde.
In der Mitte der Darstellung ist ein Brunnen zu sehen, mit den Initialen A E, der von einer adeligen Jagdgesellschaft umgeben ist. Die Jäger tragen Lanzen und die adeligen Herren tragen eine Pelzweste.

Die weitgehendst in Asien unbekannte Eiche ist hier vielfach im Detail geschnitzt und die Blätter entsprechen genau dem Aussehen solcher in Europa.

Bewunderer, Kenner und Wissenschaftler sowie Kunstliebhaber aus vielen Ländern Europas waren bereits Gäste im Wasserschloss um dieses kolorierte Meisterwerk zu bewundern. Weitere Wissenschaftler haben sich bereits jetzt angesagt und um einen Besichtigungstermin gebeten. Nicht nur das Wasserschloss Heerse und die Stadt der Burgen und Schlösser Bad Driburg und auch nicht der Kreis Höxter sondern die gesamte westliche Welt kann stolz sein, dass dieses Meisterwerk nach Europa heimgekehrt ist und in einem Schloss, das man mit Fug und Recht dem Weltkulturerbe zurechnen kann, einen würdigen Platz gefunden hat.

Ein Besuch lohnt sich. Anmeldung unter: 05259 – 930 333.