Das geschnitzte Relief in der Hubertushalle des Wasserschlosses Heerse

von Helga Schröder-Menold

2012
Jahrbuch Höxter

Anlässlich einer im Auftrag der Republik Ghana zu erfüllenden diplomatisch – konsularischen Mission in Asien mit der Teilnahme an einer Investmentkonferenz, war die letzte Station des Generalhonorarkonsuls Schröder die Philippinen und hier die Hauptstadt Manila, in der 12 Millionen Menschen beheimatet sind.

Ein wahres Chaos an Schmutz, Menschengedränge, Abgasen und Gestank.

GHK Schröder war dankbar und froh, dass es wieder nach Deutschland zurückging. Er wurde jedoch von Freunden dringendst gebeten eine große Ausstellung heimischer Schnitzereien in einer überdimensionalen großen Lagerhalle im Hafen zu besuchen. Das fand absolut wegen der klimatischen Umstände in Bezug auf Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit  nicht seine Zustimmung. Im Endeffekt fand der Besuch jedoch statt, begleitet von Kunstsachverständigen und Museumsexperten.

Nach mehr als 2 Stunden eines schweißtreibenden Rundgangs konnte sich GHK Schröder nicht zum Ankauf irgendwelcher Materialien und Schnitzereien entschließen, da er Wert darauf legt, dass die Vereinigten Museen lediglich antike Gegenstände in den Ausstellungen dem Publikum zeigen sollten. Beim Herausgehen aus der Halle sah er durch reinen Zufall ein großes Gemälde an einer Wand angelehnt. Er ging dort hin und sah zu seinem großen Erstaunen, dass es sich hier um eine flämische Holzschnitzerei handelte. Die Abmessungen des Glanzstücks waren 2,5 m x 3,5 m.

Der Anblick erinnerte ihn sofort an einen der 7 Teppiche, die John D. Rockefeller jr. 1937 dem Metropolitan Museum of Art in New York gestiftet hat. Diese Teppiche werden global benannt: „ Die Suche nach dem Einhorn.“

Einer dieser Teppiche hat im Detail genau die gleichen Darstellungen wie das Relief im Wasserschloss Heerse und heißt: „ Das Einhorn entgiftet das Wasser“. Die Genauigkeit besteht nicht nur in irgendwelchen Darstellungen sondern im Gesamtbildnis. Der Teppich könnte in der Fotografie in diesem Schnitzwerk wiedergegeben sein. Letzteres könnte aber die Vorlage für den Teppich gewesen sein.

In diesem Wandteppich, ebenso in dem Schnitzwerk kniet das Einhorn vor einem großen weißen Brunnen. Am Rand des Brunnens sitzen ein Fasanenpaar und ein Paar Stieglitze. Andere exotische Tiere wie Löwe, Hyäne und Panter und in Europa heimische wie Hase, Hirsch etc. versammeln sich um den Brunnen, während zwölf Jäger in Pelzwesten im Hintergrund der Szene die Entdeckung ihrer Beute diskutieren. Die Jagdgesellschaft besteht aus zwei Gruppen. Viele dieser Jagdgesellen tragen Speere. Und Jagdhörner zeigen an, dass es zur Jagd aufgehen soll. Die treuen Jagdhunde sind natürlich präsent.

Flora und Fauna spielen in den Erzählungen des Einhorn Bildnisses eine bedeutende Rolle. Verschiedene mittelalterliche Kräuter waren Gegenmittel gegen Vergiftungen, wie Salbei, eingelegte Ringelblumen usw. Diese Pflanzen sind auf dem Teppich neben dem Bach positioniert, der durch die Magie des Einhorns durch das Horn gereinigt wird. Eichenblätter sind haargenau wiedergegeben. Desgl. die Pimpinelle, Rosenbüsche und die Lampionpflanze oder Blasenkirsche (Physalis alkekengi).

Auch die geschnitzten Tiere entsprechen genau den europäischen Vorstellungen. Die Löwen sind in einer Form geschnitzt, wie man sich diese im Mittelalter durch Beschreibungen vorstellte, da man sie in Natura nicht kannte. Das gleiche gilt für den Panter und die Hyänen, d.h. für Tiere die nicht in Europa vorkommen.

Visuelle Hinweise lassen vermuten, dass dieses Bildnis das Gleichnis der Christus Passion darstellen soll, die 12 Jäger (Apostel) und ein hervorstehender Rosenbusch (Martyrium; heftige Schmerzen) inbegriffen.

In der Mitte des Schnitzwerks sind Initialen und zwar AE. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen werden die Initialen verwendet nur vom Vornamen der Person für die so ein Schnitzwerk gefertigt wird und zwar immer der erste und der letzte Buchstabe des Vornamens, wie z.B. JS für Jesus oder DS für Deus.

In diesem Fall ist zu sagen, dass das Schnitzwerk anlässlich der Hochzeit der Anne de Bretagne, die in zwei Perioden von 1491 – 1498 und von 1499 – 1514 Königin von Frankreich war, mit König Ludwig XII. A.D. 1499, gefertigt sein soll.

Die Kordel um die Initialen soll ihren Ursprung haben vom Heiligen Franziskus von Assisi, dem Gründer des Franziskaner Ordens. Bereits der Großvater der Königin Francis Herzog der Bretagne hat die Kordel zu Ehren seines Namenspatrons verwendet.

Das gesamte Werk kann demzufolge als ein Meisterstück flämischer Schnitzkunst bezeichnet werden. Das erkannte GHK Schröder auf Anhieb und beim ersten Ansehen sofort und wurde auch von den ihn begleitenden wissenschaftlichen Koryphäen in dieser Meinung unterstützt.

Auf die Frage an die Aussteller woher das Relief stammen würde, gab es von verschiedenen Personen die einstimmige Antwort, dass dieses Relief wohl ursprünglich im Palast des Präsidenten Marcos beheimatet gewesen sei. Das leuchtete auch GHK Schröder ein, denn keine Privatperson kann so ein gewaltiges 3,5 x 2,5 m und 400 kg schweres Holzschnitzwerk in einem seiner Wohnräume zur Aufhängung bringen.

GHK Schröder wollte nach diesen Erkenntnissen das Relief erwerben und man wollte es ihm nicht verkaufen.

Es gab zwei große Schwierigkeiten, die einmal in der Preisgestaltung fundiert sind und zum anderen in der Größe. Die Größe passt in keinen Container und kann infolgedessen nicht verladen werden. GHK Schröder bat die Eigentümer einen Schreiner kommen zu lassen. Dieser kam und GHK Schröder bedeutete ihm die Gärungen an den vier Ecken aufzuschneiden. Der 25 cm breite Rahmen wurde somit entfernt und das Schnitzwerk verkleinerte sich um 50 cm in der Breite und 50 cm in der Höhe. Es hatte dann die Maße 3,0 x 2,0 m und damit war es möglich es zu verpacken und in den Container zu verladen.

Erst danach bestand die Möglichkeit sich über den Preis zu unterhalten, zu feilschen, in einer Form wie es in den Basaren von Asien und dem Orient möglich und nötig ist. Es kam zu einer mühevollen jedoch fairen Einigung auf einem sehr hohen Niveau, da es GHK Schröder als seine patriotische Pflicht betrachtete, ein aus Europa stammendes Kulturgut wieder nach Europa zurückbringen zu können, um dadurch diesen gesamten Kontinent, aber speziell Deutschland, den Kreis Höxter und den Ort Neuenheerse selbstlos in einer Form kulturell zu bereichern, wie man es sicherlich nicht in irgendeiner anderen oder ähnlichen Form wiederfinden könnte.

Man spricht davon, dass der Herzog von Alba oder irgendeine andere europäische Größe dieses Schnitzwerk zum Andenken an seine Heimat mit nach Asien genommen hat.

Ausschnitt aus dem Relief

Nach der Ankunft des Containers in Hamburg und den damit verbundenen Zollformalitäten musste das Schnitzwerk nach Neuenheerse verbracht werden.

Die Fracht von Hamburg nach Neuenheerse ist so kostspielig und teuer und übersteigt bei weitem den Preis der zu zahlen war für einen gesamten Container von Manila nach Hamburg. Das Auspacken geschah mit einem Transportgerät mit Hilfe der Firma Schonlau in Neuenheerse.

Für die Verbringung des Reliefs mit Rahmen sorgte der mit der Stiftung und dem Schloss verbundene ortsansässige Karl Schwarze sen., der zugleich sechs junge Leute aus dem Dorf organisierte und es deshalb möglich machte, dass, nach Anbringung von

Transportmöglichkeiten an dem Relief, 8 gestandene Männer das 400 kg schwere Schnitzwerk in die Hubertushalle transportiert werden konnte. Dort ist es nun als Prachtstück an der Stirnseite positioniert.

Es gibt da aber noch eine Besonderheit.

Auf der Rückseite des Reliefs sind ebenfalls Schnitzereien zu sehen, die sich auf den 6 anderen Teppichen, die Rockefeller dem Metropolitan Museum of Art „The Cloisters“ gestiftet hat, wiederfinden. Diese Schnitzereien wurden fotografiert und befinden sich gerahmt rechts neben dem großen Relief.

GHK Schröder hat unter behördlicher Aufsicht Holzproben aus dem Schnitzwerk entnehmen lassen. Diese wurden in einem Kuvert versiegelt und gesandt an:

1. Museo d´Arte e Scienza Sr. Dr. Peter Matthaes, Via Q. Sella 4, 20121 Milano/Italien

(Dieses Institut arbeitet auch für den Vatikan)

2. Herrn Dr. G. Bonani, Universität Zürich; Institut für Teilchenphysik HPK-H30 ETH  Hönggerberg,

CH 8093 Zürich/Schweiz

Die Institute aus Mailand sind durch die spektroskopische Analyse und die Universität Zürich durch die C14 – Methode gemeinsam zu dem Ergebnis gekommen, dass das für die Schnitzereien verwendete Holz aus dem Jahr 1500 stammen muss. Die Gutachten liegen vor.

Es kamen viele Wissenschaftler und Kapazitäten um das zu begutachten, so auch Pater Dr. Werinhard Einhorn vom Franziskanerkloster in Paderborn. Pater Werinhard hat in Anlehnung seines Hausnamens „Einhorn“ seine Promotion über das mittelalterliche Einhorn verfasst. Ihm war das Bildnis durchaus sofort bekannt und er kannte auch die Donation der sieben Teppiche von Rockefeller an das Metropolitan Museum.

Unserem hochverehrter Pater Werinhard verdanken wir die vielen Erläuterungen zu dem Bildnis, die er uns dazu gegeben hat.

Zur weiteren Ergründung hat GHK Schröder sehr viel unternommen. Er wollte herausfinden in welchem Jahr genau das Bildnis geschnitzt wurde und wann genau die erste Fassung stattgefunden hat. Von allen bisher befragten Experten liegt noch kein Ergebnis vor. Sämtliche Personen erklärten jedoch nahezu einstimmig, dass man so ein großes Werk nur aus einem besonderen und großen Anlass geschnitzt haben kann – nämlich die Hochzeit der französischen Königin mit Ludwig XII. Man würde keinen Grund finden in einem späteren Jahrhundert solch ein großes Werk zu vollbringen und man würde auch nicht erkennen können, wer sich solch ein großes Werk in irgendeinem Raum zu Aufhängung bringen wollte.

Das hier beschriebene Objekt ist dem Metropolitan Museum of Art in New York bekannt. Es besteht hierueber ein ausfuehrlicher Schriftwechsel. 

Zu bestaunen ist das Relief auf der Internetadresse www.wasserschloss-neuenheerse.de

Die Vereinigten Museen im Wasserschloss Heerse und die Kulturstiftung Manfred O. Schröder und Helga Schröder sind sehr stolz auf diese Errungenschaft und die Besucher zeigen sich voll dankbarer Begeisterung.

Einhorn-Relief

Das Einhorn entgiftet das Wasser