Wiederaufbau, Renovierungen und bauliche Maßnahmen

Stifter-Ehepaar Schröder im Portal des Wasserschloss Neuenheerse

Stifter-Ehepaar Schröder im Portal des Wasserschloss Neuenheerse

Das ursprünglich an heiliger Stätte im Jahre 868 durch den dritten Bischof von Paderborn Luithard und seine Schwester Walburga errichtete und unter Reichsschutz durch Kaiser Ludwig den Deutschen stehende Kaiserliche Freiweltliche Hochadelige Damenstift wurde 1599 durch die Äbtissin Ottilie von Fürstenberg als Wasserschloss Heerse erneuert und als Kanonissenstift genutzt.
Neben umfangreichem Grundbesitz wurde auch dieses traditionsträchtige, vollständig renovierte Schloss, das aufgrund seiner Geschichte und des jetzigen Aussehens als
ein Teil des Weltkulturerbes betrachtet werden muss, durch die Stiftung Schröder der Öffentlichkeit und den Bürgern von Neuenheerse geschenkt. Diese können nunmehr “mit Fug und Recht” sagen: “Es ist unser Schloss”, das im Rahmen der Stiftung und der Museen den Bürgern zur Verfügung steht.
Das im Jahr 1989 von den Missionaren vom Kostbaren Blut erworbene Wasserschloss Heerse mit Nebengebäuden befand sich zu jenem Zeitpunkt in einem sehr desolaten Zustand. Teile des Schlosses waren baufällig. Zur Wiederherstellung war es erforderlich, umfangreiche Baumaßnahmen und Renovierungen durchzuführen.
Im Jahr 2003 wurde eine Gesamtaußenrenovierung des Wasserschlosses Heerse durchgeführt, wobei es bei Wasserschlössern so ist, dass die Gräfte abgelassen werden muss, um die Stahlgerüste aufstellen zu können. Da ein Wasserschloss auf Eichenpfählen steht, muss darauf geachtet werden, dass die Gräfte, die von der durchfließenden Nethe gespeist wird, in kurzen Abständen wieder geflutet werden muss, um das fundierende Eichenholz nicht austrocknen zu lassen.

Der Ostflügel des Wasserschlosses

Der Ostflügel des Wasserschlosses

Der gesamte Außenputz – ohne Ausnahme – musste abgeschlagen werden. Das ab der 1. Etage vorhandene Fachwerk musste an der Nord-, West- und Südseite an verfaulten Stellen fachgerecht ausgebessert werden. Teilweise fehlten hier Stücke, die unsachgemäß mit PU-Schaum ausgeschäumt waren. Das Holzwerk der Westseite war von Schwamm und Pilz in einer solchen Form befallen, dass einschließlich des tragenden Eckpfeilers, der 300 kg schwer ist, sämtliches noch vorhandenes, nicht mehr tragfähiges
Eichenholz – ohne jedwede Ausnahme – demontiert werden musste, was automatisch damit verbunden war, dass der ausgemauerte Inhalt der Gefache vorher entfernt werden musste. Es konnte auch noch restliches Eichenholz gefunden werden, das durch den Brand 1925 angekohlt war. Um den desolaten Zustand der Eichenbalken für die Nachwelt festzuhalten, werden einige Teile im Eingangsbereich der ehemaligen Kapelle aufbewahrt. Durch den Ankauf einer Scheune wurde das gesamte Fachwerk durch eine Fachzimmerei mit 250 Jahre alten, passend zugeschnittenen Eichenholzbalken neu gestaltet.
Die zusätzliche Schwierigkeit war, dass mit einem großen Kran das Eichenholz auf das bestehende Gerüst über die Gräfte eingeschwenkt werden musste, um dort fachgerecht verarbeitet zu werden. Nach Fertigstellung des Fachwerks mussten die Gefache neu ausgemauert werden. Ein neuer mehrschichtiger Putz wurde aufgebracht, und das gesamte Schloss erhielt einen neuen kaisergelben Mehrfachanstrich, wobei die Eichenbalken eine dunkelbraune mehrfache Schutz- und Farblasierung erhielten. Desgleichen wurden die neugeschnitzten Eichenköpfe und die sonstigen Schnitzereien in den Ursprungsfarben neu ausgemalt.
Gusseiserne, aus dem 18. Jahrhundert stammende Kaminplatten mit entsprechenden Emblemen zieren seither sowohl das Schloss als auch das Torhaus an den Außenseiten.

Das Dach mit den roten Sandsteinschieferplatten erhielt eine Generalüberholung. Die Zinkblechkehlen, Dachrinnen und Fallrohre wurden durch Kupfer ausgewechselt, da durch Absonderung von Kupfersulfat der rote Sandstein bei Regen das Zinkblech regelmäßig zerstört.
Sämtliche der 570 vorhandenen kleinen Fenster wurden überholt und verfaulte Stellen an Wasserschenkeln ausgewechselt und mit neuem Anstrich versehen. Fehlende oder gesprungene Glasscheiben wurden ersetzt.
Im Innern des Schlosses wurden neue Heizungen verlegt, nicht tragfähige Mauern eingerissen, um größere Räume für die Museen zu schaffen, mit allen daraus sich ergebenden Nebenarbeiten wie Neuverputzen, Erneuerung der Fußböden, Neuanstrich etc. Die zur Ausstellung gelangenden Exponate erreichen zur Zeit nahezu die Zahl von 20.000 Stück. Sie sind an den Wänden dekoriert und in ca. 150 jeweils passend angefertigten Glasvitrinen ausgestellt.
Die über die Gräfte führende, aus rotem Sandstein bestehende Brücke mit Brüstung musste generalüberholt werden, mit neuer Isolierung und Plattierung versehen werden, da der Brückenbelag Wasser in das Gestein fließen ließ, was im Winter zur Sprengung des Bauwerks geführt haben würde.

Terrasse an der Südseite des Schlosses Neuenheerse

Terrasse an der Südseite des Schlosses Neuenheerse

Desgleichen wurde die im Süden befindliche Terrasse mit den zwei Freitreppen und dem Freisitz mit den Brüstungen durch neue Plattierung und neue Isolierung mit Schweißbahnen generalüberholt.

Neben der östlichen Freitreppe mussten zur winterlichen Unterbringung der im Park stehenden Bronze- und Sandsteinfiguren eine Remise in einer Größe von 9 x 6 m errichtet werden, die im Sommer den Museumsbesuchern zur Unterbringung von Fahrrädern und Kinderwagen dient.

Teilweise werden aber auch hier die drei vorhandenen, mehr als 100 Jahre alten Kutschen und drei landwirtschaftliche Leiterwagen repariert.

Die Gräfte-Mauern mussten an vielen Stellen neu errichtet werden. Durch Baumwurzeln nach innen gedrückte, gewölbte Seitenwände erhielten umfangreiche betonierte Gegenlager, um nicht einzustürzen. Acht Sandsteinpfeiler eines nördlichen Anbaus, deren Fundamente in der Gräfte zu finden waren, wurden mit einem Stahlbetonpanzer umgeben, da die Pfeiler durch Sandsteinfraß stark geschwächt waren und einzustürzen drohten.
Torhaus

Das Torhaus

Das Torhaus

Das Torhaus, das zum Abriss für Parkplätze freigegeben war, musste nach vorherigem Abschlagen des vielfachen alten Putzes neu verputzt werden, zumal die Westfront von Schwamm zerfressen war, der beseitigt werden musste.

Sämtliche Fenster wurden erneuert, desgleichen die mittelalterliche Eisenstab-vergitterung.
Das gesamte Dach wurde mit roten Ziegeln neu gedeckt, und die Kamine erhielten neben einer Schiefereinfassung Kupferver-kleidungen, Dachrinnen und Fallrohr.

Die Schlagseite zum Westen hin erhielt eine Spezialisolierung mit einer kompletten Verschieferung.
Die Südseite trägt einen umfangreichen Schmuck an Hirschgeweihen. Daneben steht, restierend aus der Besatzungszeit, ein originales englisches Telefonhäuschen.
Ein Seminarraum wurde ausgebaut und innen mit uralten, aus einem Dortmunder Bauernhaus stammenden schweren Eichenbalken wohngerecht verkleidet und dekoriert und mit Tischen und Stühlen aus dem Hofbräuhaus in München eingerichtet, wobei die über 100 Jahre alten Stühle teilweise die bayerischen Rauten und teilweise das Münchner Kindl eingraviert zeigen.

Glockenturm

Glockenturm

Eine mechanische Werkstatt wurde eingerichtet, desgleichen eine Schreinerei mit allen notwendigen Maschinen, sowie Räume, die dann benutzt werden, wenn auswärtige Handwerker über Nacht bleiben müssen. Das Torhaus erhielt ebenfalls eine neue Heizung und eine Hausmeisterwohnung.

Die ehemalige Aula des Internats St. Kaspar im Dachgeschoss des Torhauses wurde in einer Größe von 300 qm zu einem Museumsraum mit Stand- und fest eingebauten Vitrinen umgebaut und mit ca. 500 afrikanischen Schnitzereien und Skulpturen versehen. Hier ist auch ein Teil der Exponate untergebracht, die an die ehemalige kaiserliche Kolonialzeit erinnern.

Eine im nordischen Stil ausgerichtete Kapelle zu Ehren des Hl. Hubertus wurde 1999 errichtet, innen mit aus China stammendem Granit verkleidet und mit Ausstattungsgegenständen aus allen Erdteilen versehen, um der Kapelle einen internationalen Charakter zu verleihen. In ihr ist auch die Reliquie des Hl. Ansgar reponiert.

Hubertuskapelle

Hubertuskapelle

Vor der Kapelle steht ein Glockenturm, hergestellt aus einem fachwerklichen Eichengerüst mit drei Glocken, von denen zwei aus Tallin/Estland und eine aus Stratford-upon-Avon stammen. Die eine der Glocken aus Tallin weist die mitgegossene Beschriftung “1880″ auf, darunter drei Plaketten mit Motiven, dem russischen Doppeladler (Zarenadler) und zwei Krebsen. Darunter steht in kyrillischer Schrift “SPB” (Sankt Petersburg). Die andere besitzt die gleichen Motivplaketten, jedoch die Jahreszahl 1857. Auf der englischen Glocke steht “Mears Founder London”, darunter “1858″.
Hubertuskapelle
Das Torhaus erhielt in zwei Phasen Anbauten durch ein für die Museen notwendiges Büro und 2005 durch die Hubertushalle in einer Größe von ca. 300 qm, wobei noch zu entscheiden ist, ob diese Halle durch eine größere ersetzt werden muss.
Schloss vor dem Torhaus

Wasserschloss Neuenheerse

Wasserschloss Neuenheerse

Sowohl der nördliche als auch der südliche Hof wurden mit Kleinpflaster aus Granit aus der Türkei versehen, mit dem Vorteil, dass dieses Pflaster im Gegensatz zu Pflaster aus Portugal keine Rostflecken aufweisen wird. In einer erheblichen Größe erhielt auch der nördliche Innenhof eine Basaltpflasterung von einer in Lippstadt aufgenommenen, mehr als 200 Jahre alten Dorfstraße. Die gesamte Besitzung erhielt einen aus China gelieferten, 2 m hohen Zaun, desgleichen zwei zweiflügelige Tore, die von Granitrundpfeilern – ebenfalls aus China – getragen werden.
Im Südwesten sind neun aus Franken stammende, aus Felsgestein handgeschlagene antike Pfeiler als Zwischenstücke für den dort befindlichen Zaun vorhanden.

Das Gerätehaus im westlichen hinteren Teil des Schlossbesitzes wurde ebenfalls neu gedeckt und die fünf Garagen mit wetterfesten Schweißbahnen versehen.

Es war selbstverständlich, den gesamten Schlossbesitz mit einer erforderlichen Bepflanzung und Begrünung zu versehen.
Ein steinerner Brunnen von 1,5 x 1,2 m, mit Fachwerk und Schiefer überdacht, stammt aus Franken. Außerdem wird eine umfangreiche Sammlung landwirtschaftlicher Geräte wie Pflüge, Eggen, etc. gezeigt. Ca. 20 aus Felsgestein gemeißelte Viehtröge zeigen im Sommer edlen Blumenschmuck, desgleichen das auf dem nördlichen Hof einen steinernen Springbrunnen umfassende Rondell.

Totempool

Totempool

Im Park sind u.a. zu sehen: ein aus Westkanada stammender, 7 m hoher indianischer Totem-Pfahl, ein aus dem 19. Jahrhundert stammender, in der Wesermündung gefundener großer Schiffsanker, Sandsteinskulpturen aus Italien, eine aus drei Elefanten bestehende, lebensgroße Gruppe aus Granit, die in China angefertigt wurde und ca. 20 t wiegt, eine aus Wurzelholz geschnitzte Wildschweinegruppe aus Westkanada, zwei mehr als lebensgroße, geschnitzte Indianer aus Rotzeder, ein Hubertus-Krieger aus Asien, zwei 1,2 m große Marmorlöwen vom Lago Maggiore, zwei 1,5 m große Granit-Drachen aus China, asiatisches Rehwild und eine Gruppe asiatischer Hirsche aus Bronze, zwei überlebensgroße Rothirsche aus Bronze sowie zwei den Museumseingang bewachende, auf einer Weltkugel stehende Bronzelöwen aus Bayern.
Ebenfalls werden im Außenbereich zwei mittlere und ein großer landwirtschaftlicher Leiterwagen gezeigt, wovon ein Leiterwagen aus Höxter stammt.
Prachtstück im Park ist ein 8 m hohes Glockenspiel – das wir als Preußisches Glockenspiel bezeichnen. Dieses wurde bei einer holländischen Glockengießerei in Auftrag gegeben und ist eine Verkleinerung des großen Glockenspiels, das bis 1943 bis zur Ausbombung auf der Garnisonskirche zu Potsdam gestanden hat.

Leiterwagen

Leiterwagen

Die dort zur vollen und halben Stunde gespielten Lieder “Üb immer Treu und Redlichkeit” und “Lobet den Herrn” werden hier wechselweise zur vollen Stunde gespielt. Zur halben Stunde ertönen der Jahreszeit entsprechende Lieder, und um 19 Uhr endet dieses mit dem Choral von Leuthen “Nun danket alle Gott” und der deutschen Nationalhymne.