Das Wasserschloss in Neuenheerse – kultureller Mittelpunkt und touristisches Ziel

Peter Bonk und Karl-Heinz Schwarze
2006
Jahrbuch Kreis Höxter
Seite 71 – 73

Als im Wasserschloss Neuenheerse 1999 das 400-jährige Jubiläum des Gebäudes gefeiert wurde, waren sich alle Beteiligten der historischen und geistlichen Bedeutung bewusst, mit der diese Äbtissinnenresidenz über 200 Jahre – bis ca. 1810 – in das Bistum Paderborn und weit darüber hinaus hineingeleuchtet und hingewirkt hat (vgl. hierzu: Von der Abtei zum Museum, in: Jahrbuch des Kreises Höxter 1999, Seite 11ff.).

Nachdem in den vergangenen Jahren die ehemaligen Stiftshäuser dorfprägend überwiegend durch private Mittel der ortsansässigen Eigentümer erneuert worden sind, die Alte Dechanei heute: Haus des Gastes, und die Stiftskirche – im Volksmund auch Eggedom genannt – größtenteils aus öffentlichen Mitteln restauriert und saniert worden sind, setzt nun nochmals das Ehepaar Schröder aus Dortmund hohes privates Engagement und eigene finanzielle Mittel ein, um diese großartige Ensemble zu vollenden.

Generalkonsul Schröder hatte mit dem Erwerb des Wasserschlosses die Vision verbunden, in den zahlreichen Räumlichkeiten spezialisierte und hochrangige Sammlungen unterzubringen und sie nach Katalogisierung, wissenschaftlicher Aufarbeitung und attraktiver Präsentation als Museum einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu musste das Schloss und seine Außenanlagen grundlegend restauriert und saniert werden. Wie aufwendig diese Maßnahmen letztlich waren, zeigte sich darin, dass viele Firmen aus dem Ort selbst und darüber hinaus bis Ende August 2003 intensiv beschäftigt waren. In seinem Rundbrief III/2003 bemerkt Generalkonsul Schröder erleichtert und treffend: „Es ist vollbracht!“

Die parallele Neugestaltung der Dorfstrasse durch die Stadt Bad Driburg, die gelungene Ausgestaltung und nachhaltige Pflege des Ehrenmals gegenüber dem Eggedom durch Neuenheerser Vereine, Mitbürger und Geschäftsleute mit der Einbindung des Sains-les Marquion Platzes als Ausdruck der gelebten Partnerschaft zwischen der nordfranzösischen Kommune Sains-les Marquion und Neuenheerse weisen das Eggedorf als lebendiges, kulturell bedeutendes und touristisch attraktives Ziel aus. Ist der Spaziergang durch das Dorf für den Besucher bereits ein Erlebnis, die Führung durch die Pfarrkirche St. Saturnina ein kulturhistorisches Muss, so ist die Besichtigung der Vereinigten Museen im Wasserschloss von Generalkonsul Manfred O. Schröder und seiner Gemahlin Helga ein faszinierender Höhepunkt. Die schon bestehenden musealen Bereiche, wie

  • die naturwissenschaftlichen/internationalen naturkundlichen Abteilungen zeigen dem Besucher mehrere hundert fachgerecht präparierte kleine und große Wildtiere aus aller Welt
  • die völkerkundliche Abteilung macht den Gast vertraut mit Kunst, Kultur, Religion und vielen täglichen Lebensbereichen der Menschen des afrikanischen Kontinents
  • das gesamtdeutsche Heimatmuseum erinnert an deutsche Alltagsgeschichte der letzten 200 Jahre
  • eine kleine, aber feine Ausstellung beleuchtet aussagekräftig einen Teil der deutschen Kolonialgeschichte in Afrika

wurden ergänzt um Räumlichkeiten im Torbogen des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes und einen Neubau, in dem Präziosen besonderer Art und exotischer Provenienz den Besucher begeistern. Ein Gang durch die Parkanlage des Schlosses führt den Besucher auch durch eine Art kleines Freilichtmuseum entlang an der Gräfte, vorbei an dem Glockenspiel, das dem der ehemaligen Potsdamer Garnisonskirche nachempfunden ist, weiter zu der nach der Südseite gelegenen Freitreppe und schließlich hin zu einer Stabkirche, die dem Hl. Hubertus geweiht ist. Die ständige Fortentwicklung und Ausweitung der musealen Sammlungen aber auch die schön gestaltete Parkanlage mit dem Schloss haben aufgrund der persönlichen, wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen, die Manfred O. Schröder in über 40 Jahren als Generalkonsul der Republik Ghana gepflegt hat, viele hochrangige Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur nach Neuenheerse gezogen. Besucher aus nah und fern, natürlich auch Fachbesucher, aber auch Kindergärten, Schulklassen, Vereine, Gruppen und Einzelbesucher sind gezielt in diese Museumslandschaft gekommen und haben auch Neuenheerse dabei kennen – und schätzen gelernt. Der Kreis Höxter und die Stadt Bad Driburg sind sich sehr wohl bewusst, welches kulturgeschichtliche Juwel diese Wasserschloss mit seinen Einrichtungen und seinem Ambiente für die touristische Vermarktung der Region besitzt. Speziell gilt für die Kur- und Badestadt Bad Driburg, dass Kultur ein tragender Pfeiler ihres Außenmarketings sein muss. Neben den vielen Sehenswürdigkeiten in der Kernstadt und den Ortschaften ragen besonders heraus: die Iburg, die Anlage des gräflichen Bades, die Burg in der alten Titularstadt Dringenberg, die Pfarrkirche in Pömbsen, wo seit Jahrhunderten die Kreuztracht am Karfreitag stattfindet und natürlich der historische Teil in Neuenheerse mit dem Eggedom, dem Kran von Stiftshäusern um diese Kirche und dem Wasserschloss im Besitz der Eheleute Manfred O. und Helga Schröder in altem äußerlichen Glanz und im Inneren geprägt von Kostbarkeiten, die einfach neugierig machen.