Dokumentation der ehemaligen kaiserlichen Kolonialzeit

Fahne 1870

Fahne 1870

Der Erinnerung an die deutsche Kolonialgeschichte ist im Schloss ein weiterer Sammlungsteil gewidmet. Von 1884 bis nach dem Ende des Ersten Weltkriegs besaß das Deutsche Reich in Afrika und im Bereich des Pazifik die sog. „Schutzgebiete“. Obwohl der Zeitraum relativ kurz war, gibt es bis heute Erinnerungen und Spuren in diesen Regionen, denen das Ehepaar Schröder vor allem in den afrikanischen Ländern nachgegangen ist.

In Namibia, dem ehemaligen „Deutsch-Süd-Westafrika“ gibt es bis heute Farmen, die von Deutschen betrieben werden und einen Erwerbsbereich im Fremdenverkehr gefunden haben. Ein Beispiel ist die Familie Sibold,
Fahne
deren Familienbesitz seit Generationen die Farmen Hummelsheim und Friedrichswald bilden. Die Orte werden anhand von Fotos vorgestellt. Diese und zahlreiche Trophäen, die ebenfalls in diesem Raum ausgestellt sind, laden den interessierten Jäger nach Namibia ein.

Deutsches Schutzgebiet / British Territory

Deutsches Schutzgebiet / British Territory

Gusseiserne Hinweistafeln auf die deutsche „Kaiserliche Zoll- und Polizeistation Windhuk“, die „Kaiserliche Post“ mit Reichsadler oder das Grenzgebiet „Deutsches Schutzgebiet – British Territory“, sowie Teile deutschsprachiger Straßenbeschilderung wie die „Kaiserstraße“ aus Windhuk, die erst vor kurzem durch einheimische Namensgebung ersetzt wurde, dokumentieren den nachhaltigen Einfluss der Kolonialzeit.
Einige Relikte stammen von der von der Deutschen Kolonialverwaltung eingerichteten Eisenbahnstrecke.

1902 wurde bereits die Bahnstrecke Windhuk-Swakopmund in Betrieb genommen.

Auch an den Herero-Aufstand (1904-1907) erinnern einige Exponate. Neben fotografischen Abbildungen von Schutztruppenangehörigen sind dies zum Beispiel Gefechtsspangen von Teilnehmern an den Kämpfen mit den Bezeichnungen „Waterberg“, „Groß-Nama-Land“ oder „Omaheke“.
Funde von Mineralien und Proben des verschiedenfarbigen Sandes der Namib-Wüste haben die Eheleute Schröder von ihren Reisen hierher mitgebracht. Ein Kupferfindling von über 40 kg, der in der Ausstellung auf die Zeit der ehemaligen Kupferminen in Namibia hinweist, ist ein Geschenk von Eugen Sibold.

Polizeistation Windhuk

Polizeistation Windhuk

Zusätzlich zu diesem Ausstellungsteil zur Kolonialgeschichte im Schloss gibt es einen weiteren Bereich in der ehemaligen Aula. Weitere Landkarten und Fotos sowie ein Sammelbildalbum mit kolonialer Thematik werden hier gezeigt.
Hartholzschnitzereien mit Tierdarstellungen sowie Denkschriften und andere Publikationen sind in den Vitrinen ausgestellt.
An ein Land, das keine Kolonie gewesen ist, erinnert die Fahne Äthiopiens unter dem Kaiser Haile Selassie mit der Darstellung eines gekrönten Löwen.

Auch ist ein bemerkenswertes Unikat zu sehen, eine Tischdecke aus dem Hause des früheren Bezirksamtmanns von Keetmannshoop, Karl A. Schmidt. Vom 5. August 1900 bis 1910 wurde das 192 x 275 cm große weiße Damasttischtuch als Gästebuch genutzt, die eigenhändigen Unterschriften später in Rot ausgestickt. Auf der Decke finden sich 164 Signaturen bekannter Persönlichkeiten der kolonialen Zeit Südwestafrikas. Darunter Lothar v. Trotha, Thilo v. Trotha, Theodor Leutwein, Paul v. Lettow-Vorbeck und der spätere Reichsminister Walter Rathenau.

Mehrere Fahnen darunter die 207 x 170 cm große Reichsfahne in Schwarz-Weiß-Rot, die bis 1918 auf den deutschen Botschaften und Konsulaten im Ausland wehte und ein originales Kaiserstander (111 x 189 cm) mit Kaiserkrone, der Kette des Schwarzen Adler-Ordens mit dem Gründungsjahr des Kaiserreiches 1871 und der Inschrift „Gott mit uns“ stammen aus diesem Abschnitt der deutschen Geschichte.

Vor der Christuskirche in Windhuk erhebt sich das bronzene Denkmal des „Reiters von Windhuk“. Eine verkleinerte Kopie dient wie die gesamte Ausstellung dem Gedenken an die Kolonialpioniere und die Mitglieder der deutschen Schutztruppen.