Die Preußen-Sammlung im Wasserschloss Heerse

von Dr. Bettina Eller-Studzinsky und Joseph Lammers

2009
Jahrbuch Kreis Höxter
Seite 45 – 50

Preußen ist die Idee eines Staates, in dem die Pflichterfüllung an erster Stelle steht.
Prinz Louis Ferdinand von Preußen

Neben den jetzt schon öffentlich zugänglichen Ausstellungsbereichen der Naturkunde, Ethnographie, Kolonialgeschichte und Heimatkunde besitzt das Wasserschloss Neuenheerse eine bemerkenswerte Sammlung zur preußischen Geschichte. Die Stifter Generalhonorarkonsul Manfred O. Schröder und seine Frau Helga Schröder haben im Verlauf vieler Jahre mit Ambition und Umsicht eine Kollektion wichtiger und interessanter Objekte zusammengetragen und bezeugen damit ihre Affinität zur Idee Preußens, wie sie sich vor allem in der Person und im Wirken Friedrichs des Großen (1712-1786) darstellt.Schon von weitem erkennt man durch die schwarz-weiße Fahne auf dem Turm des Wasserschlosses Heerse den preußischen Geist der Besitzung.

Auch die Wachhäuschen an den Einfahrtstoren des Torhauses tragen die gleichen Farben. An den fünf Eingangstoren befinden sich gusseiserne Darstellungen des Preußischen Adlers und der Kaiserkrone.300 Jahre nach der Gründung des Königreichs Preußen wurde ein Denkmal mit der Büste Friedrichs des Großen im Park des Schlosses aufgestellt und am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober 2001, der Öffentlichkeit übergeben. Mit dem verstorbenen Chef des Hauses Hohenzollern Prinz Louis Ferdinand von Preußen (1907-1994) verband Generalhonorarkonsul Schröder eine langjährige Freundschaft. So folgte auch dessen jüngster Sohn Prinz Christian Sigismund von Preußen der Einladung nach Neuenheerse und nahm zusammen mit seinem damals 15 Jahre alten Sohn Prinz Christian Ludwig von Preußen und Landrat Hubertus Backhaus die Enthüllung des Denkmals vor.

Der Entwurf zu der Bronzebüste stammt von dem Künstler Johann Gottfried Schadow (1764-1850), der auch die Quadriga auf dem Brandenburger Tor schuf. Zahlreiche Gäste aus Adel, Politik und Wirtschaft sowie Schützen und Vereinsabordnungen wohnten der Zeremonie bei. Einer alten Tradition folgend nahm der Prinz auf dem steinernen Stuhl neben der Büste unter dem preußischen Glockenspiel Platz. Auf diesem Stuhl sollen bereits namhafte Besucher Neuenheerses gesessen haben, darunter auch König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861), der den Ort besuchte als 1853 die Eisenbahnstrecke Warburg-Paderborn eröffnet wurde.Das „Preußische Glockenspiel“ ist eine Nachbildung des Glockenspiels, das sich bis zum Jahre 1943 im Turm der Garnisonkirche zu Potsdam befand. Es erklingt zur vollen und halben Stunde und spielt wie ehedem in Potsdam „Üb immer Treu und Redlichkeit“ und „Lobe den Herrn“ und endet jeden Tag um 19.00 Uhr mit dem Choral von Leuthen und der deutschen Nationalhymne. Das Glockenspiel ist ein Ausdruck des christlichen Preußens und als ein positiver Ort deutscher Geschichtserinnerung zu betrachten. Es wurde 1999 durch den Weihbischof von Paderborn Dr. Paul Nordhues eingeweiht und von Justizminister Dr. Rolf Krumsiek unter Anteilnahme der Schützen und der Bevölkerung von Neuenheerse der Öffentlichkeit übergeben.

Einige Objekte aus der Preußen-Sammlung sollen nachfolgend exemplarisch vorgestellt werden:
Insgesamt verfügt die Sammlung über zehn Fahnen aus preußischer Zeit. Besonders hervorzuheben ist darunter eine imposante Standarte von 200 x 200 cm, die die Kaiserkrone, die Kette des Schwarzen-Adler-Ordens sowie die Jahreszahl 1870 und die Inschrift „Gott mit uns“ zeigt.Sie stammt von einem Schlachtschiff, das der Monarch häufig mit seiner Anwesenheit beehrte. Die Fahne mit der Aufschrift „Mit Gott für Kaiser und Reich“ datiert aus der Zeit nach der Reichsgründung 1871. Auch eine Flagge, die bis 1918 auf allen deutschen Vertretungen im Ausland geweht hat, in den Farben Schwarz-Weiß-Rot mit dem Reichsadler ist in der Abteilung Kolonialgeschichte ausgestellt.
Den Wandschmuck kennzeichnen Malerei und Grafik mit Abbildungen deutscher Kaiser, preußischer Könige und Würdenträger mit einem Schwerpunkt, der auf der Zeit Wilhelms II. liegt. Ein zentrales Stück bildet ein Ölgemälde mit dem Porträt Friedrichs des Großen mit Dreispitz und Krückstock in ovalem Rahmen. Es zeigt ihn im Offiziersrock des Infanterie-Regiments Nr. 15/I mit dem Stern des Schwarzen-Adler-Ordens.
In der Art eines Tryptichons werden die Kaiser Wilhelm I. (1797-1888), Wilhelm II. (1859-1941) und Friedrich III. (1831-1888) abgebildet. Fürst Otto von Bismarck (1815-1898) ist ebenfalls auf einem Gemälde vertreten. Das Brustbild zeigt ihn in der Uniform mit Überrock und Mütze aus dem 7. Kürassier Regiment und stammt aus der Zeit um 1900. Als Beispiel einer Grafik sei hier ein Kupferstich mit der Betitelung „Friedrich der Große läuft Gefahr bey Franckfurth oder Kunersdorf von den Cosaken gefangen zu werden“ aus dem Jahr 1793 angeführt. Das Blatt stammt aus der Serie „Lebensrettungen“ von Meno Haas, herausgegeben von C.D. Küster.
Figuren, Büsten und Reliefs aus Bronze, wie die Figur Friedrichs II. mit seinen Windspielen stellen ebenfalls Vertreter der preußischen Monarchie dar. Erst kürzlich konnte der Sammlung ein herausragendes Ölgemälde zugeführt werden, das ein Porträt der Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776-1810) zeigt . Als Gemahlin Friedrich Wilhelms III. war sie Königin von Preußen und die Mutter Kaiser Wilhelms I. Bei dem Gemälde handelt es sich um die Kopie eines späten Kultbildes der lange über ihren Tod hinaus verehrten Königin. Gustav Richter (1823-1884) schuf das Original, das sich heute im Wallraff-Richartz-Museum in Köln befindet, im Jahr 1879. Das Richter-Gemälde wurde zum Vorbild für unzählige bildliche Darstellungen auf Postkarten, Vasen, Tellern und ähnlichen Dekorationsobjekten und hing als Kopie in den bürgerlichen Salons.
Die patriotische Sinnesart der Zeit dokumentieren die zahlreichen Teile von Porzellan wie Tassen, Wandteller und Services mit Darstellungen von Porträts, Monogrammen, dem Eisernen Kreuz und Erinnerungssprüchen . Herausragende Stücke darunter sind die Goldrandteller mit Monogramm und der Darstellung des Reichsadlers von der Königlich Preußischen Porzellan Manufaktur (KPM) aus dem Kaiserhaus. Nicht nur Porzellan wurde mit Motiven dieser Art versehen, auch Gläser mit Bemalung und Motivschnitt sind in der Sammlung zu finden. Aus dem militärischen Bereich gehört zu der Sammlung neben Orden und Auszeichnungen beispielsweise auch eine typische Grenadiermütze, wie sie von 1740 bis 1812 gebräuchlich war.
Offiziersgeschenke gehören zu den wertvollsten Ausstellungsobjekten und dokumentieren preußische Treue und Dienstverpflichtung. In Silber gearbeitet wurden in dieser Form Becher, Pokale, Kannen oder Teller mit Gravuren, zum Beispiel ein Stück mit Königskrone und Regimentsinsignien des 158. Infanterie Regiments aus dem Jahre 1897. Ein Prunkstück allerdings ist eine große silberne ovale Schale, 55 cm lang und 35 cm breit, bestehend aus Unter- und Oberteil (Abb. 6). Auf einer Seite des Oberteils sind die Daten „1851 – 26. April 1901“ eingraviert, auf der anderen Seite das Wappen der Familie von Hahnke. Auf dem silbernen Untersatz gleicher Größe steht:

Dem General-Oberst VON HAHNKE Generaladjutanten Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II. Chef des Militär-Kabinets zu seinem 50 JÄHRIGEN DIENSTJUBILÄUM in aufrichtiger Verehrung und treuer Anhänglichkeit gewidmet von den Generaladjutanten Generälen à la Suite, Flügeladjutanten und von dem Hofe J.J.M.M des Kaisers und der Kaiserin.

In zwei Reihen entlang des Außenrandes sind die Namen der Gratulanten eingraviert: Gräfin v. Brockdorff, Gräfin Keller, Frl. von Gersdorff, Gräfin Stollberg, von Plessen, von Scholl, von Mackensen, von Böhm, Frhr. v. Berg, von Grumme, Prinz von Schönburg, Bronsart v. Schellendorff, von Wittich, Graf v. Schlieffen, von Bülow, von Lindequist, Graf v. Wedel, von Kessel, von Deines, Prinz zu Salm-Horstmar, von Willaume, von Moltke, Graf von Hülsen-Haeseler, Frhr. von Seckendorff, Heintze v. Jacobi, von Heyden-Linden, Morgen, von Chelius, von Bülow.Graf v. Waldersee, Frhr. v. Loe, Graf v.d. Goltz, v. Obernitz, v. Werder, v. Schweinitz, Prinz Heinrich VII., Graf Lehndorff, Fürst Radziwill, Graf Solms-Klitschdorf, von Wedel, Graf Eulenburg, Frhr. v. Lyncker, Frhr. v. Egloffstein, Frhr. v. Mirbach, v.d. Knesebeck, Graf Keller, Graf Mülinen, Graf Wedel, Frhr. v. Esebeck, Graf Hochberg, Frhr. von Heintze, von Lucanus, von Mischke, Frhr. v. Senden-Bibran, Graf v. Baudissin, von Usedom, Graf v. Platen, Dr. von Leuthold, Dr. Jlberg, Dr. Zunker.

Des Weiteren befinden sich Originaldokumente wie Briefe und Kondolenzschreiben in der Ausstellung, zum Teil aus dem Besitz der Familie von Zitzewitz, die das ehemalige Abteigebäude bis in die 1950er Jahre privat bewohnte. Einen Ehrenplatz hat zum Beispiel auch das Glückwunschschreiben des Prinzen Louis Ferdinand an Generalhonorarkonsul Manfred O. Schröder anlässlich der Glockenspieleinweihung in Neuenheerse erhalten. Briefe und Offizierspatente zeigen die Originalunterschrift Kaiser Wilhelms II.

Dienen und Gerechtigkeit, Treue, Pflichtbewusstsein, Toleranz und Gemeinsinn beanspruchen noch immer Platz in der deutschen Wirklichkeit

bemerkte seinerzeit ein Redner in seiner Ansprache zum Festakt im Preußenjahr. So bemüht sich auch Generalhonorarkonsul Schröder erfolgreich, den Geist Preußens im gesamten Anwesen spürbar zu halten. Nur mit Fleiß konnte dieses große kulturelle Werk geschaffen werden und seine Erhaltung und Fortführung werden als Verpflichtung der Öffentlichkeit gegenüber angesehen.