Kobra-Ständer im Wasserschloss- Exponate aus Afrika, Asien und Mittelamerika

26. September 2008
Neue Westfälische Nr. 226/39
Bad Driburg Brakel

Neuenheerse. Davon, dass die Völker der Erde seit jeher kunstvolle, eigentümliche, schöne und auch komplizierte Gegenstände aus Holz anfertigen, kann man sich seit langem in den ethnographischen Ausstellungen im Wasserschloss Neuenheerse überzeugen.

Kunstvoll: Kobra-Ständer werden aus einem einzigen Stück Holz angefertigt. FOTO:WSNJetzt hat ein hochrenommiertes Institut der Kulturstiftung Generalhonorarkonsul Manfred O. Schröder und Helga Schröder einen bedeutenden Teil einer Sammlung vons ogenannten Kobra-Ständern als Leihgabe überlassen, die zeigt, dass man sich diesen Objekten auch naturwissenschaftlich nähern kann.
Bei den Kobra-Ständern handelt es sich um beweglich geschnitzte Gestelle, die aus einem einzigen Stück Holz herausgearbeitet wurden. Die Oberteile sind häufig in Form von Köpfen ausgestaltet und es gibt eine entsprechende Anzahl von Füßen.
Den Mittelteil stellt ein verwobenes bewegliches Ineinandergreifen dar, bei dem das Erstaunliche dem Betrachter erst bewusst wird,wenn man sich die Anfertigung
eines solchen Objektes vor Augen führt. Der Künstler braucht zur Herstellung eine ausgeprägte räumliche Vorstellung, die mit Kunst eben soviel zu tun hat wie mit Mathematik.
Der Herausforderung, aus einem Stück mehrere ineinander bewegliche Teile zu schaffen, haben sich Kunsthandwerker auf verschiedenen Kontinenten gestellt.
Die Sammlung zeigt Stücke aus Afrika und aus Asien, jedoch auch Mittelamerika weist solche Gegenstände auf. Hier scheint es jedoch, trotz der Gemeinsamkeiten
von Material und Idee, unterschiedliche Gestaltungsprinzipien zu geben.
Aus Pakistan etwa stammen Objekte mit einer geraden oder ungeraden Anzahl von Enden. Bis zu 14 Köpfe an einem Ständer können in der Ausstellung bestaunt werden.
Aus Afrika sind den Experten bislangnurStänder mit einer ungeraden Anzahl von Enden bekannt. Stücke mit drei Köpfen werden als three-head-unity, mit mehr Köpfen entsprechend als five-, seven-, nine-headunity usw. bezeichnet und symbolisieren den Zusammenhalt in einer Gemeinschaft. Auch die Bezeichnung Kobra-Ständer ist geläufig, die offenbar auf die schlangenartig verschlungene Struktur zurückgeht.
Als Gestelle für Schalen oder Unterteile für Tischplatten haben sie auch einen praktischen Nutzen. Ihre Faszination besteht jedoch in dem bemerkenswerten
Herstellungsverfahren, das nicht immer zum Erfolg führt, wie das Beispiel eines unvollendeten Stückes in der Sammlung beweist.
Im Sonderausstellungsbereich Afrikanische Kunst im ehemaligen Torhaus des Wasserschlosses Neuenheerse hat die Sammlung ihren neuen Standort gefunden und kann im Rahmen der Museumsführungen besichtigt werden.

Anmeldungen für Führungen ab vier bzw. zehn Personen unter Tel. (0 52 53) 93 03 33.