Märchenschloss in neuem Glanz – 20-jähriges Jubiläum der Vereinigten Museen im Wasserschloss Heerse

17. Juni 2009
Bad Driburger Kurier Nr. 211
Bad Driburg, Altenbeken, Brakel, Willebadessen

Die Vereinigten Museen im Wasserschloss Heerse der Kulturstiftung Schröder können in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum begehen. Vor zwanzig Jahren erwarben Honorargeneralkonsul Manfred O. Schröder und seine Frau Helga das Wasserschloss Neuenheerse als Ruine in größter Baufälligkeit.
Nach intensiver arbeitsreicher Tätigkeit kann man mit Fug und Recht heute von einem in Glanz erstrahlendem Märchenschloss mit den dazugehörigen Nebengebäuden, die ebenfalls komplett restauriert wurde, sprechen.

Von Beginn an war es die Absicht der Eheleute Schröder diese Gebäude einer öffentlichen Institution zur Führung von Museen zu überlassen. Diese bis heute bestehende Absicht ließ sich bedauerlicherweise, trotz ständiger größter Bemühungen, aus haushaltstechnischen Gründen weder mit Behörden noch mit anderen auf Sicht bestehenden Institutionen verwirklichen.

Die passionierten Sammler hatten den Entschluss gefasst, ihre kostbare umfangreiche Privatsammlung in einem geeigneten Gebäude in einer dafür aufgeschlossenen Umgebung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seither widmet sich das Ehepaar Schröder unermüdlich dem Aufbau und der Erhaltung der von ihnen als Vereinigte Museen im Wasserschloss Heerse gegründeten Einrichtung. Auch den Nutzen für die Stadt Bad Driburg und die gesamte Region hatte man im Auge, als man sich für den Ankauf des ehemaligen Abteigebäudes in Neuenheerse entschied. Das Schloss hatte die Äbtissin Ottilie von Fürstenberg 1599 als Residenz für das kaiserliche, freiweltliche, hochadelige Damenstift Heerse errichten lassen. Die Ursprungsgründung datiert aus dem Jahr 868. Der 3. Bischof von Paderborn Luithard und seine Schwester Walburga errichteten hier ein Damenstift, das bereits im Jahr 871 durch Kaiser Ludwig den Deutschen unter Reichsschutz gestellt wurde.

Dieser Mittelpunkt im heutigen Dorf Neuenheerse wurde deshalb gewählt, weil man der festen Überzeugung war – und heute mehr denn je ist–, dass da wo Wasser aus der Erde entspringt es sich um geweihten Boden handelt, was durch die Nethequelle dokumentiert ist.
Nach der Säkularisierung ging das Wasserschloss durch verschiedene Hände, bis es die Familie von Zitzewitz, die es zu Ihrem Wohn- und Verwaltungssitz für den umgangreichen Besitz an Wäldern und Grund und Boden, umbauen ließ. In den 1950er Jahren veräußerten die Eigentümer das Schloss an den Orden der Missionare vom Kostbaren Blut, die hier das Internat und Gymnasium St. Kaspar gründeten, das heute in modernen Gebäuden weiterbesteht und eine Schule mit gutem Ruf und weitem Einzugsgebiet darstellt.
Der Zustand des teilweise aus verputztem Bruchsteinmauerwerk, teils aus Fachwerk bestehenden Renaissance-Gebäudes mit regionaltypischem Sandsteinplattendach war damals schon reparaturbedürftig und so wurden über die Jahre immer weitere Bereiche renoviert und erneuert. Heute zeigt sich das Haus mit kaisergelbem Anstrich als gepflegtes Wasserschloss mit der aus der Nethequelle gespeisten Gräfte. Man darf nicht verkennen, dass diese Gebäude einen Teil des Weltkulturerbes darstellen und der Nachwelt erhalten werden müssen.

In über dreißig Ausstellungsräumen im Schloss und im Torhaus sowie in einer speziellen Halle zu Ehren des Hl. Hubertus befinden sich thematisch geordnet die Sammlungen zu Naturkunde, Ethnographie, Kolonialgeschichte, Geschichte Preußens und Jagdkultur sowie das Museum für Europäisches Kulturgut im Obergeschoss.
Das umliegende Gelände ist ebenfalls mit Sehenswürdigkeiten versehen, die Hubertuskapelle im Süden wurde im nordischen Stil erbaut, neben einem Glockenturm mit drei Glocken aus dem 18. Jahrhundert, wovon zwei dieser Glocken aus Estland und die dritte Glocke aus Stratford-upon-Avon stammt. Das Interieur der Kapelle ist international durch Mitbringsel aus aller Welt eingerichtet, wurde vom Erzbischof Prof. Reinhard Marx geweiht und durch den Abt des Klosters St. Michaelsberg Raphael Bahrs OSB mit der Reliquie des Hl. Ansgar in einem speziellen Marmortabernakel bedacht und gesegnet.
Das Preußische Glockenspiel mit der Büste Friedrich des Großen davor und einem steinernen Stuhl, auf dem der Feldmarschall Ludendorff, Reichspräsident Paul von Hindenburg sowie im Jahr 2001 SKH Prinz Christian Sigismund von Preußen bereits gesessen haben.
Zahlreiche landwirtschaftliche Geräte, eine 15 Tonnen schwere chinesische Elefantengruppe auf dem Nordhof sowie ein Totem-Pfahl aus Westkanada und ein alter Anker aus der Wesermündung laden die Besucher zu einer Reise um die Welt und durch die Zeit ein.
Ein bei Ausgrabungen gefundenes 3,5 m langes und 3,5 t schweres Kanonenrohr heißt die Besucher der Vereinigten Museen durch das Versprühen von Wasser herzlich willkommen.
Die Museumsgründer verfolgen mehrere Anliegen. Mit ihrer Einladung an die Öffentlichkeit, sich die auf zahlreichen Dienst- und Privatreisen in über 40jähriger Tätigkeit als Honorargeneralkonsul für das afrikanische Land Ghana zusammengetragene Exponate anzuschauen, möchte Manfred O. Schröder mit seiner Frau Helga Schröder einen Beitrag zur Völkerverständigung und zum kulturellen Austausch leisten. Als ehemalige passionierte Jäger und engagiert im St. Hubertus-Jagdorden liegen den Stiftern die Natur und ihre Geschöpfe und der verantwortungsvolle Umgang mit ihnen besonders am Herzen. Auch dies soll mit der Präsentation einer der in dieser Art weltweit größten Ausstellung von Tierpräparaten den Besuchern vermittelt werden. Aber auch das Bewusstsein für die eigene Geschichte und Vergangenheit wird nicht außer Acht gelassen. Davon zeugt die Sammlung zur Preußischen Geschichte mit dem dazugehörigen Glockenspiel im Park ebenso wie die Objekte zu Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Handwerk im Museum für Europäisches Kulturgut. Ein weiteres Anliegen der Stifter war es, der Stadt Bad Driburg und der gesamten Region, aber nicht nur Deutschland sondern der gesamten Welt ein Geschenk zu machen, welches das kulturelle Leben nicht nur des hiesigen Raumes bereichert. Die Attraktivität der Region als Urlaubs- und Ausflugsziel wird gefördert und dies wird auch einen wirtschaftlichen Nutzen für die Bewohner nach sich ziehen.

Mit der Erreichung der Kulturstiftung HGK Schröder und Helga Schröder im Jahr 2006 wurde eine Grundlage für die Erhaltung und Fortführung der Einrichtung im Sinne der Gründer gelegt, in der sich Persönlichkeiten engagieren, die den Nutzen und die Chancen einer so bedeutenden Stiftung erkannt haben und sichern wollen.

1993 wurden die ersten Teile der Museen eröffnet. Seit dem konnten nicht nur zehntausende Besucher sondern auch Staatsoberhäupter, Könige, hochrangige Minister aus aller Welt, Generäle und sonstige Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kultur, begrüßt und sachkundig durch die Sammlungen geführt werden. Auch heute werden die Erwartungen der Besucher noch regelmäßig übertroffen. Selbst Gäste, die zum wiederholten Male kommen, entdecken immer noch Neues und Interessantes und empfehlen das Ausflugsziel gerne weiter.
Aus ganz Deutschland besuchen Reisegruppen die Museen. Durch weltweite Kontaktpflege der Stifter besitzt die Einrichtung auch internationales Renommee. Für die Saison 2009 gibt es bereits zahlreiche Buchungen. Schulklassen, Vereine und Unternehmen nutzen die Museumseinrichtung gerne als Programmpunkt für Fahren. Auch Familienfeiern erhalten durch den Besuch einen glanzvollen Höhepunkt.
Standesamtliche Trauungen werden durch die hervorragenden Standesbeamten der Stadt Bad Driburg vollzogen und für die jungen Paare ist der historische Hintergrund eine lebenslange besondere Erinnerung.

Wer nicht als Gruppe unterwegs ist, kann sich einer gebuchten Führung anschließen. Solche Termine können im Museumsbüro erfragt werden. Die Museumsgründer und Mitarbeiter freuen sich auf einen erfolgreichen Museumssommer und zahlreiche Gäste aus Nah und Fern.

Führungen nach Anmeldung unter Tel: 05259 – 930333 oder per E-Mail unter ms@schloss-heerse.de
Homepage: www.wasserschloss-neuenheerse.de