Natur und Kunst aus aller Welt – Ahnen, Löwen, Könige – Ausstellung: Museum in historischem Wasserschloss

12. Juni 2002
Ruhr Nachrichten Dortmund
von Konrad Schmidt

Neuenheerse – Mit einem neuen großen Saal im Torhaus wird Heerse (Nähe Bad Driburg) ab 9. Juli eine Vergrößerung erfahren. Um 700 neue Exponate ist der Schatz in diesem Jahr gewachsen.
Nicht, dass diese idyllisch untergebrachte Sammlung eine Attraktion nötig hätte, um ein Anziehungspunkt zu sein, doch diese Abteilung wird zweifellos ein Glanzlicht. Zauberei und Repräsentation könnten Stichworte dieser Objekte sein: Sie stammen aus Zentral- und Westafrika, Namibia, Senegal, Togo, Tschad…, die meisten sind rund 200 Jahre alt.

Das Schloss selbst, wurde um 1600 erbaut (von der Äbtissin Ottilie von Fürstenberg). Alle Stücke im Haus gehören zu einer privaten Kollektion (Helga und Manfred O. Schröder, Honorargeneralkonsul des Landes Ghana). Es könnte also ein Privatmuseum wie das Buchheimsche sein, denn es führt u. a. Eine Menge Dinge vor, die für den Eigentümer eine persönliche Bedeutung haben:
Geschenke, Funde aus eigenen Grabungen. Und spannende Geschichten kann der Besitzer zu vielen Dingen erzählen. – Nur wurde dem Feldafinger „Boot“-Autor ein Haus mit öffentlichen Zuschüssen gebaut, Schloss Heerse gehört dem Sammler selbst. Insgesamt enthält es eine schier unübersehbare Fülle: Natur-Funde und Artefakte aus aller Welt. Zurück nach Afrika: Mit Zauberei, mit alten, eigentlich verschwundenen aber tatsächlich nicht tot zu kriegenden Religionen, haben die meisten der Figuren und Masken zu tun. Mit Repräsentation die Textilien und Möbel wie z. B. schön geschnitzte Königsstühle.

Zauberei – das bedeutet auf dem Schwarzen Kontinent auch heute noch in erster Linie Fruchtbarkeit – die von Feld und Tier, doch besonders die der Frauchen, Echsen, Krokodile, Säugetiere, Vögel wie der große Senufo – sie sorg(t)en, als Symbole in die Stuhllehnen, als Verzierung in die Masken und Totem-ähnliche Stelen eingeschnitten, für den gehörigen Nachwuchs. Zahlreich sind kleine und große Menschenfiguren: Ahnenbilder nämlich, die in ihrer Welt Wünsche in der unseren erfüllen sollen. Alle Stücke sind exquisit gearbeitet. Masken tragen Menschen- oder Tierzüge.

In einem anderen Raum lassen sich u. a. Miniatur-Bronzen aus dem Alltagsleben bewundern, die Schröder vom Ashanti-König geschenkt bekam. Kunsthandwerkliche Meisterleistungen sind die mit Deckelfiguren verzierten Goldstaubdosen. Trommeln, zur Begleitung ritueller Tänze wie zur Nachrichtenübermittlung, Batiktücher aus Westafrika…Fast jedes Einzelstück verdient ausführliche Beschäftigung.
Am Ende wird ein Ausschnitt aus dem (im Haus lagernden) Archiv des „Traditionsverbandes ehemaliger Schutz- und Überseetruppen“ einen (speziell deutschen) Blick auf die Kolonialgeschichte. Der reicht neben Dokumenten von Fahnen bis zum Hochzeitskleid.

Der zweite Schwerpunkt im ganzen Schloss sind Tiere aus aller Herren Länder. Sie zeigen ein Stück Natur, zugleich jedoch auch Jagdgeschichte. Neben vielen Abbildungen, unter anderem zum Umweltschutz, finden sich unendlich viele Präparate, sorgfältig, lebensecht und liebevoll gestaltet. Nur ein Fachmann kennt die Namen der Endlosreihe von Antilopenarten aller Größen. Löwen dürfen in einer Afrika-Sammlung nicht fehlen.

Bären tummeln sich dafür in der amerikanischen Abteilung (Riesen-Braunbär neben ehrfurchtgebietendem Eisbären). Von der pazifischen Küste Alaskas stammt ein gewaltiges Walross. Einigen Geschöpfen kann der Besucher unbeschrankt gegenübertreten, andere hausen in Vitrinen, weitere hinter Kordeln. Außer Tieren gehören oft wertvolle oder seltsame Waffen – für Hieb und Stich und Schnitt und Schuss – zur Schau. Aus England ebenso wie aus Neuguinea, aus dem Sudan, wie aus Australien.
Es lässt sich nicht alles auch nur anreißen, was zu sehen ist, einschließlich der Abteilung zum heimatlichen Handwerk.
In jedem Fall ist das Schloss etwas heute Seltenes: nämlich weder eine dieser weiß getünchten, beinahe leeren Lehranstalten, die zur Beschau von Schrifttafeln zwingen wollen; noch ist es ein Event-Museum, in dem niemand die Stücke kennen lernt, weil jeder vor Spielen an Knöpfen, vor Staunen über bewegte Dioramen wie im Hause Disney die Eigenart der Schauobjekte übersieht

Wasserschloss Heerse, Stiftstraße 2
33014 Bad Driburg/Neuenheerse,
nach Anmeldung April-Oktober
(05259) 93 93 33, (05259) 16 44