Pressemeldung vom 1. Juli 2002 – Chronik des Stifts

Pressemeldung vom 1. Juli 2002

Das Damenstift Heerse
Das Museum befindet sich im Abteigebäude des ehemaligen kaiserlichen freiweltlichen hochadeligen Damenstifts Heerse. Neben Corvey und Herford gehört Heerse zu den frühen Gründungen und war von großer Bedeutung für die Festigung des christlichen Glaubens in dieser Region. Es ist nicht wissenschaftlich belegt, aber es wird vermutet, dass die Gründung an dieser Stelle auf den Bestand eines sächsischen Quellheiligtums zurückzuführen sei. Die Nethe, nach der auch der Nethegau benannt wurde, entspringt in unmittelbarer Nähe.

Der dritte Paderborner Bischof Luithard und seine Schwester Walburga stifteten diese Einrichtung im Jahr 868.
Sie tauschten dafür ihre Erbgüter im Warburger Raum gegen die Gegend um die „Villa Herisi“ ein. Neuenheerse liegt auf der Ostseite der Egge am Südhang des Klusenberges. Die Nethequelle und die Nähe zu Paderborn werden als Grund für die Ansiedlung an dieser Stelle angenommen. Vermutliche spielte auch der Wildreichtum der Gegend eine Rolle. Bereits 871 bestätigte Ludwig der Deutsche die Gründung nahm das Stift unter kaiserlichen Schutz, somit war es unmittelbar dem Reich unterstellt.
Es handelt sich beim Stift Heerse um ein Kanonissenstift, nicht um ein Kloster nach der benediktinischen Ordensregel. Zum einen wurden nur adelige Damen aufgenommen, bis ins 15. Jahrhundert sogar nur hochadelige Damen aus edelfreien Geschlechtern, kein Ministerialadel, der aus dem unfreien Stand entstanden war. Zum anderen behielt jede Stiftsdame ihr Privateigentum, hatte Anspruch auf Einkünfte aus den Stiftsgütern und auf Urlaub. Außerdem konnte sie das Stift jederzeit verlassen, um zu heiraten.
Nur die Äbtissin wurde auf Lebenszeit gewählt. In der Organisation des Stiftes stand sie an erster Stelle. Ihre Vertreterin war die Pröbstin, die Dechantin hatte die Leitung des Gottesdienstes inne. Die Damen lebten in eigenen Häusern mit ihrem privaten Haushalt im Ort. Man traf sich zu den Gottesdiensten und zu
gemeinsamen Mahlzeiten im Refektorium. Nur im Gottesdienst wurde eine einheitliche Stiftskleidung getragen:
ein weißes Kleid, ein roter Mantel und eine golddurchwirkte Haube. Aufgaben der Damen waren in erster Linie das Gebt, aber auch karitative Tätigkeiten und die Ausbildung der jungen Stiftsdamen.
Der Adel sah in solchen Einrichtungen auch stets eine gute Möglichkeit zur Versorgung unverheirateter Damen. Durch die wohlhabenden Frauen wurden zahlreiche bedeutende Reliquien nach Neuenheerse gebracht, die teilweise heute in der Schatzkammer der Pfarrkirche St. Saturnina ausgestellt sind. Die Kirche besitzt auch das älteste Bischofssiegel Deutschlands.

Das Abteigebäude
1599 ließ die Äbtissin Otilie von Fürstenberg, als erste Äbtissin aus dem Ministerialadel, das Abteigebäude errichten. Ihr Ahnenwappen und eine Inschrift ihres Großneffen Ferdinand von Fürstenberg erinnern bis heute an die Erbauerin. Das Gebäude stellt sich heute als zweiflügeliger Bau mit Vierkantturm im Winkel dar, eine umlaufende Gräfte sollte den herrschaftlichen Eindruck des Schlosses erhöhen. Grundlegend im Renaissance-Stil erbaut, erfuhr das Haus im Lauf der Zeit zahlreiche An- und Umbauten.

Nach der Säkularisation
Mit der Säkularisation ab 1803 wurde das Stift in eine Versorgungsanstalt für adelige Damen umgewandelt.
Die Güter wurden also zunächst nicht eingezogen, 1810 wurde das Stift Heerse jedoch wie fast alle Klöster und Stifte aufgehoben. 1811 kaufte die Gräfin von der Schulenburg-Oeynhausen zu Reelsen das Gut und die zugehörigen Stiftsgebäude. So war auch die Abtei erstmals in weltlicher Hand. 1816 verkaufte sie es an
den Gutsbesitzer Tenge aus Niederbarkhausen in Lippe. Zu dieser Zeit war das Abteigebäude bereits baufällig, der obere Stock des Westflügels musste abgebrochen werden: 1909 erbte die Enkeltochter Johanna den Besitz. Sie war mit dem Oberst Joachim von Zitzewitz verheiratet. Bis 1919 ließen sie die Abtei aufwendig umbauen. Die Familie von Zitzewitz lebe hier bis in die 1950er Jahre und verkaufte das Schloss dann an die Missionare vom kostbaren Blut, die hier eine Schule und ein Internat für Jungen einrichteten. Bereits in den 1970er Jahren genügte das Haus den Ansprüchen der Schule nicht mehr, ein Neubau wurde notwendig. Danach erfuhr das Haus unterschiedliche Nutzungen.

Die Sammlung Schröder
1989 wurden Abteigebäude und Gelände durch *Honorargeneralkonsul Manfred O. Schröder und seine Frau erworben.
Das Schloss beherbergt dadurch heute eine der größten privaten Großsäugersammlungen in Deutschland. Neben Tierpräparaten aus der ganzen Welt besteht die Sammlung weiterhin aus ethnographischen Objekten, Kunst und Alltagsgegenständen aus vielen Ländern der Erde und einem großen Bestand an Exponaten der historischen Haus- und Landwirtschaft sowie des alten Handwerks im Stil eines Heimatmuseums.
*Honorargeneralkonsul Schröder stammt aus Plettenberg im Sauerland. Er studierte Volkswirtschaft und Politikwissenschaften und wurde vom ersten Staatspräsidenten der 1957 unabhängig gewordenen Republik Ghana, Dr. Kwame Nkrumah, als *Generalkonsul für das afrikanische Land eingesetzt. In dieser
Funktion bereiste *Generalkonsul Schröder gemeinsam mit seiner Frau Helga Schröder-Menold alle Länder der Erde. In den bisher über 40 Dienstjahren übernahm er Aufgaben der Wirtschaftsförderung aber auch die Förderung des Tourismus und des kulturellen Austausches. Er unterhält freundschaftliche Kontakte in alle Welt, erhielt zahlreiche Gastgeschenke und trug Gegenstände aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen, die er in einem eigens dafür eingerichteten Museum der Öffentlichkeit zugänglich macht.
Die beiden ersten Teile der großen Sammlung wurden 1993 nach Renovierung und Umbau des Abteigebäudes für die Besichtigung eröffnet. 1997 kam der umfangreiche heimatkundliche Teil dazu. Die gesamte Einrichtung des Museums erfolge als Privatinitiative ohne öffentliche Mittel und soll demnächst als Stiftung weiter existieren.

Die naturkundliche Abteilung
Als passionierte Jäger trugen Manfred und Helga Schröder Trophäen und Tierpräparate in großer Zahl zusammen.
Darüber hinaus beinhaltet die Sammlung Geschenke und Objekte von privaten Leihgebern. Die hochwertigen Dermoplastiken wurden als Fiberglaspräparate in Werkstätten in Seattle, London, Pretoria und Nairobi hergestellt. Die Ausstellung reicht von der Vielfalt der afrikanischen Antilopenarten über Raubkatzen
und große Panzerechsen bis hin zu Elch und Eisbär aus Alaska, wobei auch die heimische und europäische Tierwelt zahlreich vertreten ist.
Der Sammlung lag die Absicht zugrunde, die Schöpfung in ihrer Vielfalt und Schönheit darzustellen und durch die Vermittlung von Informationen zum Schutz und zur Erhaltung der Artenvielfalt beizutragen.

Die ethnographische Abteilungen
Die Gegenstände von ethnographischem Charakter beweisen ebenfalls ein vielfältiges Sammlerinteresse.
Viele der Objekte sind Geschenke von Staatsoberhäuptern und Amtsträgern, die *Honorargeneralkonsul Schröder im Auftrag Ghanas besucht hat. Eine solche Zusammenstellung dokumentiert naturgemäß keine kulturelle Vollständigkeit. Durch planvolle Ankäufe versucht die Familie Schröder jedoch einen breiten Querschnitt kulturell bedeutsamer Gegenstände und solche von typischer Ästhetik der jeweiligen Länder zusammenzutragen. Auf diese Weise lassen die Sammler die interessierten Besucher an den reichen Erfahrungen ihres Lebens und ihrer Reisen teilhaben. Die Präsentation reicht hier von afrikanischen Masken, Ahnen- und Fruchtbarkeitsfiguren über wertvolle Textilien und Goldstaubgewichte bis hin zu üppig bestickten balinesischen Wandbehängen und Rinderbaststoffen aus dem Südpazifik.

Die volkskundliche Abteilungen
Die obere Etage des Schlosses wurde 1997 als „Gesamtdeutsches Heimatmuseum“ eröffnet.
Anhand von Objekten aus Handwerk, Haus- und Landwirtschaft wird das Leben in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Die vielfältigen Gegenstände von der alten Waschmaschine bis zur vollständigen Schusterwerkstatt wecken bei den älteren Besuchern eigene Erinnerungen und sollen bei nachfolgenden Generationen die Kenntnisse über frühere Zeiten wach halten.

Präsentation und Dokumentation
Das Konzept der Ausstellung folgt in erster Linie den Vorstellungen der Eigentümer, die neben dem thematischen Zugang vor allem einen ästhetischen verfolgen. Die Ausstellungsfläche besteht aus etwa 30 Räumen, die geographisch und thematisch angeordnet sind. Neben dem Schloss wird an einer weiteren Ausstellungsfläche im Torhaus gearbeitet. Die Sammlung beinhaltet mittlerweile nahezu 20.000 Objekte, die von einer wissenschaftlichen Kraft dokumentiert und verzeichnet
werden.
Der lebensnahe Eindruck, der durch die Präsentation er wertvollen Präparate außerhalb von Vitrinen entsteht, ist ein Vorzug dieser Ausstellung. Auch die thematische Vielfalt begeistert regelmäßig die Besucher, ebenso wie das Ambiente des altehrwürdigen Abteigebäudes und seiner gepflegten Umgebung.

Führungen und Informationen
die Sammlung ist nur in Form von Gruppenführungen zu besichtigen. Diese können ab einer Zahl von zehn Personen jederzeit, auch für Sonn- und Feiertage, angemeldet werden. Der Eintrittsreis beträgt 5 Euro pro Person.
In der Zeit von April bis Oktober werden jeden Dienstag um 15.30 Uhr öffentliche Führungen für kleinere Gruppen und Einzelbesucher angeboten.
Auch hier wird eine vorherige Anmeldung erbeten (Tel. u. AB: 05259-930 333).
Prospekt wird auf Anfrage zugesandt.
Informationen gibt es auch im Internet unter www.wasserschloss-neuenheerse.de.

*Honorargeneralkonsul – gilt für die gesamte Präsentation

Quelle: eigene Pressemitteilung