Pressemeldung vom 12. Juni 2002 – Neugestaltung der Ausstellung

Die Umgestaltung ist die größte Veränderung der Ausstellungsfläche seit Bestehen der Museumseinrichtung im Wasserschloss Neuenheerse. Die neuen Exponate, die
*Honorargeneralkonsul Schröder und seine Frau auf ihren letzten Reisen für die Sammlung erworben haben, stammen größtenteils aus Afrika, Indien, Indonesien und Ozeanien.

Die Kollektion afrikanischer Kunst nahm schon bisher einen großen Teil der Ausstellungsfläche ein. Jetzt wurde ein gesonderter Raum für die afrikanische Abteilung ausgestattet, der im Torhaus und damit außerhalb des ehemaligen Abteigebäudes liegt. Im Dachgeschoss des Torhauses befindet sich die ehemalige Aula der Schule, die zeitweise wohl auch als Kinosaal genutzt wurde. Dies zu dokumentieren, ließ *Honorargeneralkonsul Schröder einige der hölzernen Klappsessel wieder im Raum anbringen.
Die Bühne der Aula musste allerdings einem separaten Ausstellungsaufbau weichen, in dem sich der Traditionsverband ehemaliger Schutz- und Überseetruppen mit Gegenständen und Dokumenten aus privaten Nachlässen ehemaliger Mitglieder präsentiert. Das Wasserschloss Neuenheerse beherbergt seit einiger Zeit das Zentralarchiv des Verbandes und unterstützt somit kolonialgeschichtliche Forschung.
Die erweiterte Afrika-Ausstellung auf etwa 250 qm zeigt erstmals eine große Zahl geschnitzter und teilweise aufwendig verzierter und bemalter Masken, die in ihrer Vielzahl einen Eindruck von der Gestaltungskraft der Schöpfer der afrikanischen Volkskunst geben. Auch die Kult- und Ahnenfiguren, die in den großen Vitrinen präsentiert werden, bieten einen Einblick in die besondere Ästhetik der unterschiedlichen Völker und ihrer Künstler.
Neben dem neu erschlossenen Bereich im Torhaus wurde auch die Ausstellung im Schloss einer umfangreichen Umgestaltung unterzogen. Bisher waren die Exponate aus Asien, vor allem Indonesion, Australien und dem Südpazifik in einem Raum zusammengefasst. Durch die Neuzugänge aus dieser Region wurde eine Neugestaltung der Etage notwendig. So werden nun im ersten Raum, neben kostbaren Buddha-Statuen und Masken, üppig mit Pailletten und farbigen Steinen geschmückte Wandteppiche aus Indien gezeigt, Bronzefiguren aus Thailand und Schnitzereien aus Malaysia. Das Nebeneinander von Hinduismus, Buddhismus und anderen Religionen prägt die Ausdrucksformen der Kunst in diesem Teil der Erde.
Besonders kostbar sind die vier mit großer Sorgfalt gearbeiteten Marionetten aus Burma mit ihrer prachtvollen Ausstattung mit Stickereien und Stein- und Metallapplikationen. Sie gehören zu dem in Asien vertretenen, traditionellen Figurentheater, wo Themen aus den großen hinduistischen Sanskrit-Epen wie der Ramayana und Mahabharata, aber auch profane Stücke aufgeführt werden.
Auch die einfacher gehaltenen Stabpuppen in diesem Raum gehören zu dieser Form des Puppenspiels.
Anderen Mysterienspielen sind die weiteren Masken in der Ausstellung entlehnt. Ein Blickfang ist dabei die große Maske des Schlangen-Dämons Naga-Rassa. Sie hat große hervorquellende Augen und einen großen Mund mit Zähnen. Der Kopfputz besteht aus Kobradarstellungen, ebenso wie die separat geschnitzten Ohren. Die Maske gehört zu den Kolam (Tanzdramen) in Sri Lanka.
Aus einem der in Bali beliebten Maskentänze stammen die Rangda-Masken mit langem Echthaarschopf. In dem Schauspiel, das den ewigen Kampf des Guten gegen das Böse symbolisiert, tritt Rangda als böse Hexe mit in leuchtenden Farben bemalter Maske und lang heraushängender Zunge auf.
Didgeridoos und Bumerangs sind Erzeugnisse der Aborigines in Australien. Ihre traditionelle künstlerische Ausdrucksform wird im zweiten, neu gestalteten Raum der Abteilung präsentiert. Neben Kunsthandwerk sind hier aber auch einige Dermoplastiken zu sehen, drei Kängurus, ein Buschschwein und ein australischer Büffel. Beeindruckend sind auch die Hai-Gebisse mit ihren gefährlichen , hintereinander liegenden Zahnreihen.
Vorbei an der Vitrine mit Gegenständen der Pitcairn-Islands, auf die sich 1790 die Meuterer der Bounty zurückgezogen hatten, führt die Reise weiter in den dritten neuen Raum, nach Ozeanien.
Vor allem Papua Neuguinea, Vanuatu, Tonga und Fiji sind hier thematisiert. Die geheimnisvolle Inselwelt, in der einst Totenkult, Kopfjagd und Anthropophagie eine Rolle spielten, ist mit Kultfiguren, Totenboot, Trommeln, Kopfschmuck und Farnholz-Skulpturen und Masken vertreten. Eine große Holzschale, die Kawabowl,
dokumentiert den Brauch der Herstellung eines Rauschgetränkes aus Pefferwurzel. Tiefschwarze vierzinkige Holzspieße mit verzierten anthropomorphen Griffen erinnern an den Verzehr von besiegten Feinden auf Fiji, wo, so die Überlieferung, die ersten Europäer nach der Entdeckung der Inseln im Jahr 1643 nicht sicher sein konnten, ob sie zum Essen oder als Essen eingeladen wurden.
Eine Besonderheit in Herstellung und Material stellen die Tapas aus dem Inselkönigreich Tonga dar. Der Stoff wird aus dem Rindenbast des Maulbeernbaums hergestellt und in althergebrachten Mustern bemalt. Neben Wanddekorationen werden auch Maskenaufbauten und Ritualgewänder daraus gestaltet.
Auch hier wurde der Bestand aus Geschenken des Königs Taufa’ahau Tupou an *Honorargeneralkonsul Schröder durch Neuwerbungen erweitert.

In dieser für die gesamte Region einzigartigen Ausstellung kann man nicht nur eine Reise um die Welt erleben,
man erhält sogar Impressionen der entlegensten Teile der Erde.

*Honorargeneralkonsul – gilt für die gesamte Präsentation

Quelle: eigene Pressemitteilung

Pressemeldung vom 12. Juni 2002