Pressemitteilung zum 10. / 11. Mai 2003

1603 Schloss (Neuen)Heerse 2003

Das hochadelige kaiserliche weltliche Damenstift (Neuen)Heerse bestand bereits 731 Jahre,
als durch die damals neue Äbtissin Ottilia von Fürstenberg (1589-1621) das Wohnhaus,
die Abtei an der südwestlichen Seite der Stiftskirche in den Jahren 1599 bis 1603 neu aufgebaut wurde.
Mit einem für hiesige Verhältnisse großen Personal- und Sachaufwand wurde ein Gebäude, von einem
Wassergraben umgeben, errichtet, das dem Stand und der Würde einer Äbtissin entsprach.
Eine alte Rechnung lässt uns wissen, dass für die Baugrube und spätere Gräfte ein Personalaufwand
von 650 Arbeitstagen erforderlich waren, die mit 650 Broten bezahlt wurden.

Für „nur 650 Brote konnte der heutige Eigentümer des Schlosses, Honorargeneralkonsul Manfred O. Schröder
und seine Frau Helga Schröder die grundlegende Außenrestaurierung des gesamten Gebäudes nicht erbringen.
Es war ein sehr großer ideeller und finanzieller Aufwand erforderlich, die teilweise durchgefaulten Dachbalken
aus dem Mauerverbund zu entfernen und durch neue Balken zu ersetzen.

In Absprache und Planung mit den verschiedenen Behörden, der Unteren Wasserbehörde des Kreises Höxter
und den Fachvertretern der Denkmalbehörde der Stadt Bad Driburg musste bereits im Frühjahr dieses Jahres
die Gräfte vom alten Schlamm befreit werden. Um den Baugerüsten sicheren Halt zu geben,
wurden 16 Lastwagenladungen mit Schotter in die Gräfte gefüllt.

Planmäßig mussten sämtliche Eichenbalken des Fachwerkes rundum das Schloss von der alten Farbe
befreit werden (teilweise bis zu sieben Schichten aufeinander) und wurden mit einem mehrschichtigen
Leinölauftrag farblich neu gefasst. In sämtlichen Gefachen musste der lose Putz bis auf den tragenden
Untergrund entfernt und ein neuer aufgebracht werden, da der vorhandene Putz nicht mehr tragfähig war.
In Harmonisierung und Anpassung an den einheimischen westfälischen Sandstein wurden die Gefache
mit einem warmen hellen Gelb versehen. Am Dach wurden vollständig neue kupferne Wasserrinnen mit
größeren Dimensionen und Fallrohren montiert und der Dachrand mit stabilen Schneefanggittern mit
Kupferhaken für die Kommenden Winter gesichert. Alle Dachgauben und Holzfensterbänke wurden
ebenfalls mit kupfernem Fensterblech vor zukünftiger Verrottung gesichert. Das aus hiesigem
Sediment- und Sandstein aufsteigende steinsichtige Mauerwerk wurde gereinigt und vorhandene
Schadstellen ausgebessert und teilweise neu verfugt.

Als eine besondere Herausforderung an alle beteiligten Gewerke erwies sich die Westseite des Schlosses.
Dort präsentierten sich nach Entfernen der verdeckenden Farbschicht durchweg alle Eichenbalken des
Fachwerks als verfault und vom Schwamm befallen. Eine Sanierung der ruinösen Balken war nicht
mehr angezeigt.Hier half nur noch der vollständige Austausch der Eichenbalken. Aus statischen und
denkmalpflegerischen Gründen durfte kein frisches oder normal abgelagertes Eichenholz verwendet werden.
Es konnten nur sehr alte Eichenbalken von entsprechender Dimension Verwendung finden. Die Besorgung
des erforderlichen alten und intakten Materials stellte sich als besonders problematisch heraus, da in der
gesamten Bundesrepublik die Eichenbalken in entsprechenden mengen und Eigenschaften erst nicht
gefunden werden konnten. Durch viele Kontakte und etwas Glück konnte *Generalkonsul Schröder
das Holz einer 300jährigen Scheune aus Oelde sichern, das nun von einer Zimmerei aus Buke fachgerecht
vorbereitet werden musste. Beim Entfernen der ruinösen Eichenbalken war ein Schwerlastkran erforderlich,
der das alte und neue Holzmaterial über die Gräfte hinweg heben konnte. An der freigelegten Westseite
fand man noch viele Spuren des großen Schlossbrandes vom September 1921. Die neu eingeschwenkten
Balken wurden wie alles Holz mit Leinöls behandelt und die Gefache mit gebrannten Ziegeln vermauert,
verputzt und farblich behandelt.

An dieser Großbaustelle konnten durchweg einheimische Firmen mit ihren Fachkräften beschäftigt werden.
Kein auswärtiges Unternehmen musste herangezogen werden, was für die Qualität des hiesigen
Handwerks spricht. Darüber hinaus brachte die Restaurierung der Schlossfassade viele alte Eichenbalken
und einige Hunderte alter handgeschmiedeter Eisennägel hervor, die zukünftig den im Schloss
beheimateten Museen zugeordnet werden können.

Eine Innenbesichtigung des Schlosses und der Museen ist am Tag des Denkmals aus
personaltechnischen Gründen nicht möglich, aber ein Besuch und eine Außenbesichtigung
ist jeder Zeit möglich.

Die Museen sind zu erreichen unter:

Tel./Fax 05258-930 333

Internet: www.wasserschloss-neuenheerse.de

*Honorargeneralkonsul – gilt für die gesamte Präsentation

Quelle: eigene Pressemitteilung

Pressemeldung vom 10. / 11. Mai 2003