Restaurierung des Wasserschlosses gestaltete sich problematisch – Schloss erstrahlt in neuem Glanz

23. Oktober 2003
Bad Driburg Extra

Viele Holzbalken im Wasserschloss waren gänzlich zerstört – Auf Materialsuche in der gesamten Bundesrepublik

Bad Driburg/Neuenheerse. Das hochadelige kaiserliche weltliche Damenstift Neuen(Heerse) bestand bereits 731 Jahre, als die damalige Äbtissin Ottilia von Fürstenberg das Wohnhaus, die Abtei an der südwestlichen Seite der Stiftskirche errichten ließ. Eine Hochrechnung anhand der Größe der Baugrube und späteren Gräfte lässt vermuten, dass damals ein Zeitaufwand von 650 Arbeitstagen erforderlich war. Für die nun vollendete Renovierung musste der heutige Eigentümer sicher deutlich mehr berappen als die damals 650 Brote.

Es war ein sehr großer finanzieller aber auch ideeller Aufwand erforderlich, um die grundlegende Außenrestaurierung überhaupt auf den Weg zu bringen.

Als besondere Herausforderung erwies sich die Westseite des Schlosses. Dort präsentierten sich nach Entfernen der Farbschichten alle Eichenbalken des Fachwerks durchweg als verfault und vom Schwamm gezeichnet. Hier half nur noch der vollständige Austausch der Balken. Aus statischen und denkmalpflegerischen Gründen durfte kein frisches oder normal abgelagertes Material verwendet werden.
Auf der mit vielen Problemen behafteten Suche nach der entsprechenden Menge und Zusammensetzung des Holzes fand Eigentümer Schröder schließlich im westfälischen Oelde eine 300 Jahre alte Scheune, die den benötigten Rohstoff aufbringen konnte. Eine Zimmerei aus dem heimischen Buke bereitete das Eichenholz entsprechend vor.

Aber auch der bürokratische Weg war nicht ohne Weiteres zu beschreiten. So musste etwas die Gräfte bereits im Frühjahr des alten Schlammes entledigt werden, um sie mit Schotter zu füllen und somit den Baugerüsten einen festen Boden zu bereiten.

Dies ging allerdings nicht ohne die Genehmigung der verschiedenen Behörden: Die untere Wasserbehörde des Kreises Höxter, die Fachvertreter der Denkmalbehörde beim LWL in Münster und der unteren Denkmalbehörde der Stadt Bad Driburg mussten zunächst zustimmen.

Etwa 16 LKW-Ladungen Schotter zierten jüngst die Gräfte rund um das Wasserschloss Neuenheerse. Im Rahmen der Restaurierungsarbeiten waren sie nötig, um den Baugerüsten sicheren Halt zu geben. Ein Schwerlastkran musste bemüht werden, um das ruinierte gegen neues Eichenholz über die Gräfte hinweg tauschen zu können.

Im Vorfeld des „Tages des offenen Denkmals“ präsentierte sich den Besuchern und Schaulustigen rund um das imposante Gemäuer des Honorargeneralkonsuls Manfred O. Schröder eine Großbaustelle. Besonders erfreulich war aus Sicht der Auftraggeber die Tatsache, dass allein heimische Unternehmen mit ihren Fachkräften die anfallenden Tätigkeiten erfüllen konnten. Dies sei ein gutes Zeichen, wie es um das heimische Handwerk bestellt sei.

Auf imposante Weise zeugten deutlich erkennbare Spuren an der freigelegten Westseite von dem großen Schlossbrand vom September 1921.

Nicht vor Brandgefahr, wohl aber vor Verrottung, schützt Leinöl zukünftig alles Holz rund um das Wasserschloss. Die Gefache wurden mit gebrannten Ziegeln vermauert, verputzt und mit einem warmen Gelbton versehen. Kupfernes Fensterblech schützt alle Dachgauben und Holzfensterbänke des Schlosses zusätzlich vor Verrottung. Für den Winter sorgen Schneefanggitter auf dem Dach sowie groß dimensionierte Wasserrinnen und Fallrohre für Sicherheit.

Ausgetauschte Eichenbalken und einige hundert handgeschmiedete Nägel kommen den im Schloss beheimateten Museen zu Gute.

www.wasserschloss-neuenheerse.de