Vom Lausbub zum Generalkonsul

08. Juli 2010
Westfälische Rundschau Nr. 156 – RLP 2
Horst Hassel

Manfred Oswald Schröder ist in Siesel geboren – Seit 45 Jahren Interessenvertreter Ghanas
– Museumsplan scheiterte

Plettenberg Als Manfred Oswald Schröder am 5. Mai 1925 in Siesel im Backsteinhaus neben dem Bahnübergang das Licht der Welt erblickte, ahnte niemand, dass er diese Welt einmal gleich mehrfach bereisen und ein wohl einzigartiges Jubiläum feiern würde: 45 Jahre Dienst als Konsul bzw. Honorargeneralkonsul der Republik Ghana. Konsul Manfred Schröder und Gattin Helga wurden gestern von Bürgermeister Klaus Müller im Rathaus empfangen.

Generalhonorarkonsul Manfred Oswald Schröder (Mitte) mit Gattin Helga zu Gast bei Bürgermeister Klaus Müller in Plettenberg , Schröders Geburtsstadt Foto: Horst Hassel

Generalhonorarkonsul Manfred Oswald Schröder (Mitte) mit Gattin Helga zu Gast bei Bürgermeister Klaus Müller in Plettenberg , Schröders Geburtsstadt Foto: Horst Hassel


Er sei langsam in ein Alter gekommen, in dem man sich verabschieden müsse, erinnerte sich der 85-jährige an die Zeit, als er zuletzt in seiner Geburtsstadt weilte. Das war von 25 Jahren, als er der Stadt Plettenberg den Vorschlag machte, ein Museum in Form einer Stiftung in der Vier-Täler-Stadt zu errichten. Ein adäquates Gebäude habe man ihm aber leider nicht anbieten können, war Manfred Schröder immer noch sichtlich betrübt, seine in Jahrzehnten gesammelten Erinnerungen, Geschenke und Präsente hier nicht herzeigen zu können. Er kaufte dann das 1599 errichtete Wasserschloss Heerse in Bad Driburg, wo heute mehr als 20 000 Exponate in fünf anerkannten Museen auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern in der „Kulturstiftung“ ausgestellt sind.
Wie wird man vom Lausbub im Siesel zum Honorargeneralkonsul von Ghana?
„Ich bin stolz darauf, dass ich hier geboren bin!“, steht der Sieseler, der vom Weißen Haus in Washington bis zum Königspalast auf Tonga oder den Vatikan alles gesehen und mit den Großen dieser Welt Kontakt hatte, zu seiner Heimat Plettenberg. Vater Oswald zog es 1930 nach Bochum, 1933 nach Dortmund. Sohn Manfred verlebte in diesen Jahren seine Ferien in Plettenberg, tobte im Sommer mit den Pferden des Fuhrunternehmers Kirchsträsser am Lennewehr beim Messingwerk oder kletterte auf der Burgruine Schwarzenberg herum.
Der Plettenberger Lausbub studierte später in London, dann auch in Washington. In London lernte er den späteren Premierminister und Staatsgründer Ghanas (vormals Togo, heute 24 Mio. Einwohner) Dr. Kwame Nkrumah kennen. Der bat ihn vor 50 Jahren, die Interessen seines Landes zu vertreten. Offiziell zum Konsul ernannt wurde Manfred Oswald Schröder am 9. September 1965 und erhielt zum gleichen Termin die Exequatur, ohne die sich niemand als Konsul bezeichnen darf, des deutschen Auswärtigen Amtes. Damit war der gebürtige Plettenberger Konsularbeamter, genießt Immunität und ist Mitglied des Konsularischen Korps.
Zu den Amtshandlungen zählen die Ausstellung von ghanaischen Pässen, Ausstellung von Visa, Beglaubigungen von Dokumenten etc. Es würde zu weit führen, wollte man alle Länder aufführen, die Manfred Schröder bereist hat. Auch die Zahl seiner Ehrungen ist Legion. Chiles General Pinochet, Südafrikas Präsident Nelson Mandela, Ungarns Janosz Kadar, Louis Ferdinand von Preußen, Franz-Josef Strauß, Helmut Kohl, die NRW-Ministerpräsidenten Franz Mayers, Heinz Kühn, Johannes Rau, Wolfgang Clement, Jürgen Rüttgers, auch mit dem König von Tonga, Kofi Annan, Papst Benedikt XVI. und vielen mehr hat Manfred Schröder intensive Gespräche geführt.

Geschehen in der Heimat nicht vergessen

Trotz der weltweiten Begegnungen und Erfahrungen hat Manfred Schröder das Geschehen in der Heimat nicht vergessen. So erlebte er das Kriegsende in Herscheid, schlug sich aufgrund seiner Ortskenntnisse zu Fuß nach Hause durch. „Und auf dem Bahngleis in Herscheid stand das Geschütz die „Dicke Berta“, erinnert er sich, als sei es gestern gewesen. Auch an den Arbeitsdienst, als er in Ostpreußen bei glühender Hitze Strandhafer pflanzen musste, erinnert er sich.
„Das war bestimmt nicht ihr letzter Besuch in Plettenberg“, war sich Bürgermeister Klaus Müller sicher, dass diesem Ausflug des heute in München lebenden Honorargeneralkonsuls noch weitere folgen werden.

Information: Interessenvertreter für 9000 Ghanaer

Als Sohn von Oswald Schröder und Frau Olga geb. Plankemann wurde Manfred Oswald Schröder am 5. Mai 1925 in Plettenberg-Siesel geboren.
Der Vater stammte aus Dahl bei Olpe, die Mutter aus Eiringhausen.
Insgesamt 6 Kinder wurden in der Familie groß, Manfred Oswald ist der einzige noch Lebende.
In Nordrhein-Westfalen leben 9000 Ghanaer, deren Interessen der Honorargeneralkonsul in seinem Konsulat in Dortmund vertritt.
Seit die Botschaft Ghanas von Bonn nach Berlin umgezogen ist, hat die Verwaltungsarbeit in der Dortmunder Vertretung am Westfalendamm stark zugenommen.
Manfred Schröder ist Ghanaischer HonorarKonsul für NRW und Rheinland-Pfalz, früher auch für Bayern.