Vom Siesel in die ganze Welt: Ghanas Generalhonorarkonsul Manfred Oswald Schröder besucht seine Geburtsstadt

08. Juli 2010
Süderländer Tageblatt Nr. 155
130. Jahrgang

Ghanas Honorargeneralkonsul Manfred Oswald Schröder besucht seine Geburtsstadt.
Privataudienz beim Papst

Sonst trifft sich Manfred O. Schröder mit Ministerpräsidenten, Staatsoberhäuptern und Königen. Gestern traf sich der Honorargeneralkonsul der Republik Ghana, ein gebürtiger Plettenberger, mit Bürgermeister Klaus Müller.

„Ich bin gekommen, um dem Bürgermeister meine Aufwartung zu machen“, erläuterte Manfred Oswald Schröder – und natürlich um seiner Ehefrau Helga die Stadt zu zeigen, in der er einst geboren wurde. Sein Geburtshaus steht noch heute in Siesel, direkt an der Bundesstraße B 236 in Nähe des Bahnübergangs.

Honorargeneralkonsul Manfred O. Schröder und Frau Helga beim Besuch in Plettenberg mit Bürgermeister Klaus Müller

Honorargeneralkonsul Manfred O. Schröder und Frau Helga beim Besuch in Plettenberg mit Bürgermeister Klaus Müller

Am 5. Mai 1925 erblickte er in dem Haus, das damals seinem Großvater Wilhelm Schröder gehörte, das Licht der Welt. Seine Eltern waren Oswald und Olga Schröder, geborene Plankemann. „Ich bin stolz, dass ich hier geboren bin“, stellte Schröder gestern fest: „Man findet nur selten waschechte Sauerländer.“ Er selbst bezeichnet sich so: Sein Vater stammte aus Dahl bei Olpe, seine Mutter aus Eiringhausen. Im Jahr 1930 zog sein Vater aus Plettenberg fort, zunächst nach Bochum, fünf Jahre später weiter nach Dortmund.
Manfred O. Schröder war in seiner Jugend aber dennoch oft in Plettenberg – nicht nur in den Ferien. Zahlreiche Jugenderinnerungen wurden gestern bei seinem Besuch in der Vier-Täler-Stadt wach – zum Beispiel an das Schwimmen in der Lenne in Höhe des Messingwerks. Verwandtschaftliche Verbindungen zu Plettenberg hat er aber heute kaum noch – diese führen vielmehr in die Region Olpe.

Seit 45 Jahren ist Manfred Oswald Schröder mittlerweile schon Konsul beziehungsweise Honorargeneralkonsul. Seine erste Ernennungsurkunde durch das Auswärtige Amt Ghana datiert vom 9. September 1965, ebenso das Exequatur vom Deutschen Auswärtigen Amt, also die Erlaubnis zur Ausübung konsularischer Funktionen. Schon 1960 arbeitete er mit Dr. Kwame Nkrumah zusammen, dem Staatsgründer von Ghana. Beide hatten sich in einer englischen Universität kennengelernt und waren Freunde geworden. „Ich wurde von ihm gefragt, ob ich das Konsulat übernehmen könnte“, erinnerte sich Schröder.
Nach einem Studium der politischen Wissenschaften an der Georgetown Universität in Washington übernahm er das angebotene Konsulat, nachdem er bis dahin fünf Jahre lang uneigennützig für Ghana gearbeitet hatte. Eigentlich müsste er also in diesem Jahr sein 50. Dienstjubiläum feiern. Bei seiner offiziellen Ernennung 1965 war er der jüngste Konsul in der Bundesrepublik Deutschland. Heute ist der gebürtige Plettenberger der dienstälteste aktive Generalhonorarkonsul.

Sein Amtssitz befindet sich in Dortmund, direkt am Westfalenpark gelegen. Es handelt sich um eine große Vertretung der Rupublik Ghana: „Wir haben jeden Tag rund 50 Fälle.“ Rund 9000 Ghanaer leben in Nordrhein-Westfalen. Seit die Botschaft der Republik Ghana von Bonn nach Berlin gezogen ist, habe die Zahl der Besucher deutlich zugenommen. Auch weite Teile von Rheinland-Pfalz gehören zu seinem Konsularbezirk. Zu den Aufgaben der Vertretung zählt unter anderem das Ausstellen von Pässen und Visa, von Beglaubigungen und Dokumenten. Als Konsul ist Schröder gemäß der Genfer Konvention Konsularbeamter und genießt Immunität. In den Jahrzehnten seiner Tätigkeit hat der gebürtige Plettenberger sämtliche, im Abstand von vier Jahren wechselnde Botschafter Ghanas bei den Ministerpräsidenten und Universitäten, in Hauptstädten und wichtigen Fabriken, sowie bei Institutionen eingeführt und vorgestellt.

Kein Museum für Plettenberg

Als Honorargeneralkonsul ist er weit gereist. „Meine Frau und ich kennen die ganze Welt – mehrfach“, berichtet Manfred O. Schröder. Bei den offiziellen Besuchen bekam er zahlreiche Geschenke überreicht, die heute im Wasserschloss Heerse in Bad Driburg ausgestellt sind. Vor 20 Jahren hatte er das verfallene Anwesen erworben und restaurieren lassen – erst vor zwei Jahren wurden die Arbeiten abgeschlossen.
Fünf international anerkannte Museen mit rund 20 000 Exponaten aus aller Welt wurden dort untergebracht. „Eigentlich wollte ich dieses Museum in meiner Geburtsstadt Plettenberg einrichten“, berichtete der Honorargeneralkonsul gestern. Vor 25 Jahren habe er daher Kontakt mit der Stadtverwaltung aufgenommen, um ein geeignetes Gebäude zu finden. Unter anderem sei das Schloss Brüninghausen dafür im Gespräch gewesen. Doch das Vorhaben scheiterte. „Die Sammlung war damals schon so groß, dass wir in Plettenberg keine geeignetes Gebäude dafür hatten“, meinte Bürgermeister Müller. Schröder sah das anders: „Wir hätten in Brüninghausen Erweiterungsbauten machen können – genug Platz war da.” Stattdessen hat er nun das Wasserschloss Heerse zu einem wahren Märchenschloss wiederauferstehen lassen.

Für sein vielfältiges Engagement, auch außerhalb der konsularischen Tätigkeit, hat Manfred Oswald Schröder schon zahlreiche Ehrungen erfahren. Die für ihn größte Auszeichnung war aber eine viertelstündige Privataudienz am 30.September vergangenen Jahres bei Papst Benedikt XVI. im Vatikan. Dabei überreichte er dem Hl. Vater eine gelbe Stola, die er in Guatemala von Indianern hatte anfertigen lassen. „Der Heilige Vater ist eine exorbitant zu achtende Persönlichkeit“, stellte er rückblickend fest. Die Begegnung sei ein beruhigender Höhepunkt seines Lebens.