Weltreise

Das Wasserschloss Neuenheerse beherbergt seit mehr als zehn Jahren eine bemerkenswerte und für die Region einzigartige Sammlung. Manfred O. Schröder und seine Frau Helga Schröder haben das Abteigebäude des ehemaligen Kaiserlichen Hochadeligen Freiweltlichen Damenstifts Heerse in außergewöhnlicher Eigeninitiative zu einer Museumseinrichtung ausgebaut, die ihresgleichen sucht. Das Schloss beherbergt mehrere große Sammlungsbereiche. Der naturkundliche Teil stellt sich als eine der größten privaten Großsäugersammlungen in Deutschland dar, mit Tierpräparaten und Trophäen aus der ganzen Welt. Die ethnographische Abteilung enthält Exponate aus Alltag und Kult verschiedener Völker der Erde. Dass ein Schwerpunkt des Sammlerinteresses auf dem afrikanischen Kontinent liegt, erklärt sich aus der über 40jährigen Tätigkeit Manfred O. Schröders als Honorargeneralkonsul für die Republik Ghana. Aber seine Reisen führten ihn und seine Frau in nahezu sämtliche Länder der Erde, die ebenfalls durch Objekte in der Ausstellung vertreten sind. Die Eigentümer, die weltweit dem Waidwerk nachgegangen sind, haben auch eine beachtliche Sammlung zur Jagdkultur zusammengetragen.

So befinden sich im Schlosspark lebensgroße asiatische Hirsche und Rehe aus Bronzeguss, eine Gruppe von Wildschweinen aus Wurzelholz, eine indianische Arbeit aus den USA und zwei Marmorlöwen. Den Sandsteinbrunnen vor dem Torhaus flankieren zwei chinesische Löwen aus Granit. Das gewichtigste Ausstellungsstück ist die 15 Tonnen schwere Elefantengruppe aus chinesischem Granit, die den Besucher schon am Tor empfängt.

Die Kapelle ist St. Hubertus geweiht. In Gegenwart von Landrat Hubertus Backhaus vollzog diese Weihe der damalige Bischof von Paderborn und jetzige Erzbischof von München und Freising Prof. Dr. Reinhard Marx.

Die heimatkundliche Abteilung schließlich zeigt Handwerk, Haus- und Landwirtschaft vergangener Zeiten. Auch im Außenbereich des Schlosses sind Objekte aus dem Sammlungsbereich untergebracht, darunter landwirtschaftliches Gerät wie Pflüge, Eggen, Schleifsteine, Pumpen und Leiterwagen.

Eine Kopie des Glockenspiels, das bis 1943 auf der Garnisonskirche zu Potsdam zur vollen Stunden „Lobet den Herrn“ und zur halben Stunde „Üb immer Treu und Redlichkeit“ erklingen ließ, wurde von dem damaligen Weihbischof von Paderborn Dr. Paul Nordhues geweiht und vom Justizminister Dr. Rolf Krumsiek der Öffentlichkeit übergeben.

Im Preußenjahr 2001 enthüllten am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, Ihre Königlichen Hoheiten Prinz Christian Sigismund von Preußen und Prinz Christian Ludwig von Preußen zusammen mit Landrat Hubertus Backhaus eine Büste Friedrichs des Großen.

Bislang konnten im Wasserschloss und auf dem umliegenden Gelände etwa 20.000 Exponate gezeigt werden. Jetzt wurde die ethnographische Sammlung des Wasserschlosses Neuenheerse um über 700 Gegenstände erweitert. Die Umgestaltung ist die größte Veränderung der Ausstellungsfläche seit Bestehen der Museumseinrichtung, die Fläche wurde damit auf über 1800 qm erweitert. Die neuen Exponate, die Manfred O. Schröder und seine Frau auf ihren letzten Reisen für die Sammlung erwerben konnten, stammen größtenteils aus Afrika, Indien, Indonesien und Ozeanien. Es handelt sich auch um Geschenke, die das Ehepaar Schröder bei Besuchen von der königlichen Familie seiner Königlichen Hoheit Prinz Anak Agung Ketut Karang in Karangasem erhielten. Der Bereich der Afrikanischen Kunst nahm bisher schon einen großen Teil der Ausstellungsfläche innerhalb des Schlosses ein. Jetzt wurde ein gesonderter Raum für die afrikanische Abteilung ausgestattet, der im Torhaus und damit außerhalb des Schlosses liegt.
Die erweiterte Afrika-Ausstellung auf etwa 250 qm zeigt erstmals eine große Zahl geschnitzter und teilweise aufwendig verzierter und bemalter Masken, die in ihrer Vielzahl einen Eindruck von der Gestaltungskraft der Schöpfer der afrikanischen Volkskunst geben. Auch die Kult- und Ahnenfiguren, die in den großen Vitrinen präsentiert werden, bieten einen Einblick in die besondere Ästhetik der unterschiedlichen Völker und ihrer Künstler. Die Kunst der Metallverarbeitung des Volkes der Ashanti in Westafrika dokumentieren nicht nur kunstvoll gegossene Goldstaubdosen, sondern auch die vergoldete Figur eines Musikers aus Gelbguss, ein Geschenk des Königs Ashantehene Otumfuo Opoku Ware II. Des Weiteren sind Kleidung, Clanhocker, Perlenschmuck und hölzerne Tierskulpturen zu sehen.

Neben dem neu erschlossenen Bereich im Torhaus wurde auch die Ausstellung im Schloss einer umfangreichen Umgestaltung unterzogen. Bisher waren die Exponate aus Südostasien, Australien und dem Südpazifik in einem Raum zusammengefasst. Durch die Neuzugänge aus dieser Region wurde eine Neugestaltung der Etage notwendig. So werden nun im ersten Raum, neben kostbaren Buddha-Statuen und Masken, üppig mit Pailletten und farbigen Steinen geschmückte Wandteppiche aus Indien, Bronzefiguren aus Thailand und Schnitzereien aus Malaysia gezeigt. Das Nebeneinander verschiedener Religionen wie Hinduismus, Buddhismus und Islam prägt die Ausdruckformen der Kunst in diesem Teil der Erde. Besonders kostbar sind die vier mit großer Sorgfalt gearbeiteten Marionetten aus Myanmar, früher Birma, mit ihrer prachtvollen Ausstattung mit Stickereien, Glas- und Metallapplikationen. Sie gehören zu dem in Asien verbreiteten traditionellen Figurentheater, wo Themen aus den großen hinduistischen Sanskrit-Epen wie der Ramayana und Mahabharata, aber auch profane Stücke aufgeführt werden. Auch die einfacher gehaltenen Stabpuppen in diesem Raum gehören zum Wayang-Puppenspiel, das in Java beheimatet ist. Anderen Mysterienspielen sind die weiteren Masken in der Ausstellung entlehnt. Ein Blickfang ist dabei die große Maske des Schlange-Dämons Naga-Rassa. Sie gehört zu den Kolam-Tanzdramen in Sri Lanka, gilt aber auch als Abwehr gegen Unheil und Krankheiten. Aus Bali stammen die Rangda-Masken mit langem Echthaarschopf. In dem Schauspiel, das den ewigen Kampf des Guten gegen das Böse symbolisiert, tritt Rangda als böse Hexe mit in leuchtenden Farben bemalter Maske und lang heraushängender Zunge auf.

Didgeridoos und Bumerangs sind Erzeugnisse der Aborigines in Australien. Beispiele in ihrer traditionellen künstlerischen Ausdrucksform werden im zweiten neu gestalteten Raum der Abteilung präsentiert. Neben Kunsthandwerk sind hier aber auch einige Dermoplastiken zu sehen. Känguru, Buschschwein und australischer Büffel sind hier vertreten. Beeindruckend sind auch die Hai-Gebisse mit ihren gefährlichen, hintereinander liegenden Zahnreihen. Vorbei an den Aquarellen auf Rindenbast von der Osterinsel und an der Vitrine mit Gegenständen von Pitcairn-Island, auf die sich 1790 die Meuterer der Bounty zurückgezogen hatten, führt die Reise weiter in den dritten Raum, in dem es um Ozeanien geht. Vor allem Papua Neuguinea, Vanuatu, Tonga und Fidschi sind hier thematisiert. Die geheimnisvolle Inselwelt, in der einst Totenkult, Kopfjagd und Antropophagie eine Rolle spielten, ist mit Kultfiguren, Totenboot, Trommeln, Kopfschmuck, Farnholz-Skulpturen und Masken vertreten. Eine große Holzschale, die Kawa-bowl, dokumentiert den Brauch der Herstellung eines Rauschgetränkes aus Pfefferwurzel.
Tiefschwarze vierzinkige Holzspieße mit verzierten antropomorphen Griffen erinnern an den Verzehr von besiegten Feinden auf Fidschi, wo, so die Überlieferung, die ersten Europäer nach der Entdeckung der Inseln im Jahr 1643 nicht sicher sein konnten, ob sie zum Essen oder als Essen eingeladen wurden.
Eine Besonderheit in Herstellung und Material stellen die Tapas aus dem Inselkönigreich Tonga dar. Der Stoff wird aus dem Rindenbast des Maulbeerbaums hergestellt und mit althergebrachten Mustern bemalt. Neben Wanddekorationen werden auch Maskenaufbauten und Ritualgewänder daraus gestaltet. Auch hier wurde der Bestand aus Geschenken des Königs Taufa´ahua Tupou an Manfred O. Schröder durch Neuerwerbungen erweitert.

Nach mehrmonatiger Vorbereitung wurden die neuen und neu gestalteten Ausstellungsteile am 9. Juli 2002 von Landrat Hubertus Backhaus und Honorargeneralkonsul Manfred O. Schröder der Öffentlichkeit übergeben. Über hundert geladene Gäste würdigten neben dem eindrucksvollen Sammlungsbestand vor allem das ehrenamtliche Engagement des Ehepaares Schröder.